Bussgeld
Spitzelaffäre kostet Lidl 1,5 Millionen Euro

Lidl setzte Detektive mit Kameras auf die eigenen Mitarbeiter an und muss dafür bezahlen. Datenschutz-Behörden verlangen von dem Discounter fast 1,5 Millionen Euro Buße. Die Datenschützer werfen Lidl völlig überzogenen Überwachungseifer bis ins Privatleben der Angestellten vor.

HB. DÜSSELDORF. Die Spitzelaffäre kommt dem Lebensmitteldiscounter Lidl teuer zu stehen. Wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern verlangen Datenschützer mehrerer Bundesländer fast 1,5 Millionen Euro Bußgelder von dem Unternehmen, wie die federführende Datenschutzbehörde mitteilte. Hauptvorwurf ist, dass Lidl-Gesellschaften Detektive damit beauftragt haben, die Verhaltensweisen von Mitarbeitern zu überwachen.

Die Gesamtsumme ergibt sich aus den Einzelstrafen, die die Datenschutzbehörden aus zwölf betroffenen Bundesländern festgelegt haben. "Lidl hat dem Datenschutz in der Vergangenheit einen zu geringen Stellenwert beigemessen", sagte ein Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums. Baden-Württemberg ist bei dem Bußgeldverfahren federführend, weil Lidl seinen Hauptsitz in Neckarsulm bei Heilbronn hat.

Lidl hatte mitgeteilt, es habe "den zuständigen Behörden bereits signalisiert, dass das Unternehmen die festgesetzten Bußgelder mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Widerspruch akzeptieren wird". Insgesamt wurden gegen 35 Lidl-Vertriebsgesellschaften in Deutschland Überprüfungen eingeleitet. Mit dem Fall waren die Datenschutzaufsichtsbehörden der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein beschäftigt.

Weiterführende Links Privatisiert, ausgesaugt und wieder verstaatlicht Checken Sie, ob Ihr Chef Sie bespitzelt Auch Gerling soll Mitarbeiter bespitzelt haben Lotto-Zentrale steht unter Spitzel-Verdacht Wie Stasispitzel für die Telekom spioniert haben In Telekom-Affäre hagelt es Kritik an Schäuble Journalisten drohen mit Klagen gegen Telekom Burger King untersucht interne Bespitzelungen Diskutieren Sie mit: Wie viel darf der Arbeitgeber wissen? In der Spitzelaffäre hatte Lidl im März 2008 eingeräumt, im vergangenen Jahr in 219 Filialen Detektive eingesetzt zu haben. Gewerkschafter hatten daraufhin von einer "Bespitzelung unglaublichen Ausmaßes" gesprochen. Nach Darstellung von Lidl war es jedoch darum gegangen, Waren gegen Diebstahl zu sichern. "Offensichtlich übereifrige Detektive" hätten dann über ihren Auftrag hinaus Informationen beschafft. Später hatten auch Edeka und Plus eingeräumt, Mitarbeiter per Video überwacht zu haben.

Die Gewerkschaft Ver.di zeigte sich zufrieden mit dem Bußgeld. "Eine Millionensumme ist auch für ein solches Unternehmen keine Petitesse", sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane dem Online-Portal "stern.de". Das Bemühen um Verbesserung des Datenschutzes sei erkennbar. Lidl sei aber längst noch kein vorbildlicher Arbeitgeber: So erschwere der Discounter weiterhin mit Einschüchterung der Mitarbeiter die flächendeckende Gründung von Betriebsräten.

Besonders eifrig arbeiteten die Lidl-Spitzel nach Erkenntnissen der Datenschützer in Niedersachsen. Dort seien besonders viele dieser Protokolle seien in Niedersachsen festgestellt worden, sagte der Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums. Das Ministerium in Hannover nannte die Zahl von 60 bis 70 Bußgeldverfahren über je 10.000 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%