„Caffita“ soll Nestle-Tochter Kunden abjagen
Tchibo greift Nespresso an

Der Hamburger Kaffee- und Kosmetikkonzern Tchibo greift das Espressosystem „Nespresso“ des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé an. Wie eine Tchibo-Sprecherin dem Handelsblatt bestätigte, wollen die Hamburger in Kürze ein eigenes System auf den Markt bringen

HB ZÜRICH. Kunden sollen bei Tchibo portionierten Espressokaffee inklusive spezieller Espressoautomaten kaufen können. Die neue Produktlinie soll den Namen „Caffita“ tragen. Die Espressokapseln werden bereits abgefüllt. Tchibo wird einen zweistelligen Millionenbetrag aufwenden müssen, um das System einzuführen. Konzernchef Dieter Ammer hatte bereits angekündigt, mit Hilfe neuer Produkte und Vertriebsschienen organisch zu wachsen.

Nestlé ist mit seiner Tochterfirma Nespresso Marktführer im Bereich der Espressosysteme mit vorportioniertem Kaffee. Das Geschäft läuft gut: Im Jahr 2003 erzielte Nespresso einen Umsatz von 295 Mill. Euro. Seit Firmengründung 1988 hat die Schweizer Nestlé-Tochter ein jährliches Wachstum von 25 Prozent erreicht. Nestlé-Kenner rechnen beim Espressogeschäft mit einer Betriebsgewinnmarge an die 30 Prozent. Tchibo dürfte mit weniger kalkulieren. Die Hamburger wollen Nespresso-Trinker durch günstige Preise zum Umsteigen bewegen.

In der Vergangenheit hatten bereits Konzerne wie Melitta und Lavazza ähnliche Systeme auf den Markt gebracht, konnten jedoch Nespresso kaum Marktanteile abnehmen. Marc-Alain Dubois, Direktor von Nespresso im Heimatmarkt Schweiz, reagiert deswegen betont gelassen auf Tchibos Pläne: „Neue Anbieter beleben den Markt.“

Nespresso setzt auf einen festen Kundenstamm innerhalb eines Clubsystems. Nur Clubmitglieder können den Nespresso-Kaffee schriftlich, telefonisch oder im Internet bestellen. Darüber hinaus gibt es den Kaffee, den die Schweizer „Gran Cru“ getauft haben, und der in zwölf verschiedenen Geschmackssorten zu haben ist, in weltweit 24 exklusiven Nespresso-Boutiquen. Bei Geschmackstestern erhält Nespresso-Kaffee regelmäßig gute Noten. Für die 1,2 Millionen Clubmitglieder ist es nicht sonderlich attraktiv, den Anbieter zu wechseln, weil sie sich für 150 Euro aufwärts extra einen Nespresso-tauglichen Kaffeeautomaten gekauft haben.

Dennoch ist Tchibo zuversichtlich, dass dieser Markt noch Möglichkeiten bietet. Im Kaffeegeschäft hatte Tchibo 2003 rund 3,3 Mrd. Euro umgesetzt. Das von Nestlé kopierte System passt gut in die Strategie der Hamburger, mit Kaffee und Zubehör Geld zu verdienen.

Tchibo nennt offiziell zwar noch keinen Termin für den Verkaufsstart, hat die Vorbereitungen jedoch schon weitgehend abgeschlossen. Der Kaffee wird bereits in Norditalien abgefüllt. Auch die Brühmaschinen lassen die Hamburger bereits fertigen. Sowohl bei den Maschinen sowie den Espressokapseln werden sie preisaggressiv vorgehen. Die Maschinen sollen mit 99 Euro ein Drittel billiger als die günstigsten Nespresso-Automaten sein. Das System soll über die Filialen des Hamburger Kaffeerösters vertrieben werden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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