Call Center verkauft - Großkunden verloren
Bei Karstadt sind doch Kündigungen drin

Der Sozialplan für den Stellenabbau zur Sanierung der Karstadt Warenhäuser steht. Es soll - entgegen früherer Beteuerungen - nun doch möglich sein, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.

HB ESSEN. Beim angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern sind die millionenschweren Einschnitte bei den Arbeitnehmern endgültig unter Dach und Fach. Gleichzeitig kommt der Handelsriese beim Verkauf der Geschäftsbereiche voran, die nicht weitergeführt werden sollen. Allerdings wurde am Donnerstag auch bekannt, dass mit dem Shoppingsender HSE24 ein Großkunde verloren geht. Die Karstadt-Quelle-Aktie legte zeitweise um knapp vier Prozent auf 7,11 € zu.

Zuvor war der Sozialplan für den Stellenabbau zur Sanierung der angeschlagenen Karstadt-Warenhäuser festgezurrt worden: Die erzielte Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat erlaube eine „möglichst sozialverträgliche“ Reduzierung von 4 200 Arbeitsplätzen in den Jahren 2005 bis 2007, teilte das Unternehmen mit. Vorgesehen seien Abfindungen und Eintritt in eine Transfergesellschaft. Sollten sich nicht genügend Arbeitnehmer zu einem freiwilligen Ausscheiden entschließen, seien auch betriebsbedingte Kündigungen möglich. Im gesamten Karstadt-Quelle-Konzern sollen 5 500 Stellen gestrichen werden.

Wie viele der Stellenstreichungen in den Warenhäusern auf die Verwaltung und auf den Verkauf entfallen, konnte Karstadt-Quelle Sprecher Jörg Howe nicht sagen. Man müsse abwarten, wie viele Arbeitnehmer sich für die eine Abfindung und den Wechsel in eine Beschäftigungsgesellschaft entschlössen. Zur Höhe der Abfindungen wollte er sich nicht äußern. Nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ soll etwa eine 50-jährige vollzeitbeschäftigte Verkäuferin nach rund 20 Jahren im Unternehmen knapp 28 000 € Abfindung erhalten.

Howe bestätigte den Verkauf von zwei Call-Centern des Karstadt-Quelle-Konzerns in Mainz und Köln. Die Unternehmen mit insgesamt etwa 430 Beschäftigten gingen an den Londoner Dienstleister Shannon International PLC, sagte der Konzernsprecher. Über den Preis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Shannon wolle mit den Call-Centern im Gesundheitsmarkt aktiv werden.

Durch eine weit reichende Kooperation des Shoppingsenders HSE24 mit der Post-Tochter DHL verliert der KarstadtQuelle-Konzern im Bereich Logistik in absehbarer Zeit einen Großkunden. Ab 2006 übernimmt DHL die komplette Logistik von HSE24 und errichtet dafür im westfälischen Greven ein neues Logistik-Center mit rund 250 neuen Arbeitsplätzen. Nach Angaben von Quelle-Sprecher Erich Jeske hat die Logistiktochter Servicelogiq ausreichend Zeit, neue Kunden zu entwickeln. Auswirkungen auf die 1 200 Mitarbeiter seien nicht zu befürchten.

Die Deutsche Post will zudem weite Teile des Logistikbereichs von KarstadtQuelle zu übernehmen. „Wir betrachten das mit optimistischer Grundhaltung“, sagte Deutsche Post-Vorstandsmitglied Peter Kruse am Donnerstag in Düsseldorf. Die Deutsche Post habe sowohl für die Beschaffungslogistik als auch für die Auslieferung von Ware an Kunden Interesse angemeldet.

Für den Verkauf der Sporthandelsketten Runners Point und Golf House beginne nun die „heiße Phase der Verhandlungen“, sagte Howe. Es gebe mehrere Interessenten. Dazu gehört nach eigenen Angaben der Sporthändler Intersport.

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