Caravan-Trends
Camper träumen von der „Knutschkugel“

Campingfans sind immer jünger und gebildeter. Bei den Gutverdienern liegen kompakte Wohnwagen und Reisemobile im Trend. Der Branche geht es blendend – das war nicht immer so.
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DüsseldorfEs sei die „unverwechselbare Tropfenform“, schwärmt Alexander Wehrmann vom Caravan-Hersteller Knaus Tabbert, die seinen gerade einmal fünf Meter langen Campingwagen „T@B“ seit 15 Jahren zu einem kultigen Verkaufschlager mache. Auch das „prägnante Muscle-Car-Heck in modernem Retro-Design“ muss als Verkaufsargument für die Neuauflage herhalten. Dann aber fällt das Wort doch, das den Wohnwagen-Winzling kaum treffender beschreiben könnte: „Knutschkugel“.

Mit seinem gerade einmal 9790 Euro teuren Mini-Gefährt hat der nach Hobby-Caravan zweitgrößte deutsche Wohnwagen-Hersteller den Nerv der Camping-Kundschaft getroffen. „Kompaktfahrzeuge liegen derzeit sehr stark im Trend“, bestätigt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbands (CIVD).

So setzten auch viele Wettbewerber, die zwischen dem 29. August und dem 6. September zur 54. Caravan Salon nach Düsseldorf reisen, auf kleine und handliche Gefährte. Die Firma Tischer beispielsweise hat für den VW-Pick-up Amarok eine abnehmbare Reisemobil-Kabine entwickelt. Die bietet auf engstem Raum neben einem Doppelbett sogar Küche und Nasszelle.

Mit einer Gesamtlänge von nur 5,45 Metern schickt Hymer, nach eigenen Angaben größte Herstellergruppe von Freizeitfahrzeugen in Europa, einen umgebauten Fiat-Kastenwagen ins Rennen. Das Mini-Wohnmobil, das nur 3,5 Tonnen Gesamtgewicht besitzt und daher problemlos mit einem Auto-Führerschein zu fahren ist, passt auf einen normalen Pkw-Parkplatz. Dabei ist der Van ausgestattet mit zwei Schlafgelegenheiten, einer Miniküche und einer Nasszelle samt WC.

Schon Anfang der 90er-Jahre erfasste Deutschlands Camping-Gemeinde eine Kompakt-Welle. Günstig sollten die mobilen Wohnstätten sein – und wendig. Doch bald schon bemängelten die Camper, dass der Innenraum zu niedrig war, um darin zu stehen. Auch fehlende Nasszellen schränkten den Einsatz vieler Vans und Wohnwagen ein.

Jetzt haben die Konstrukteure erfolgreich nachgearbeitet. Rund ein Drittel aller neu zugelassenen Wohnmobile, heißt es nun beim CIVD, waren im vergangenen Jahr ausgebaute Kastenwagen. Grund für die hohe Nachfrage sei zum einen der relativ geringe Preis, aber auch die gute Alltagstauglichkeit.

„Diese kleinen Wohnmobile werden von manchen Kunden sogar als Erstfahrzeug genutzt“, berichtet der CIVD-Geschäftsführer. Nicht selten würden dafür Modelle wie der Renault Espace oder der Chrysler Voyager in Zahlung gegeben.

Quelle: CIVD/

Über schlechte Geschäfte kann sich die Branche derzeit nicht beschweren. Allein im Juli verkauften die deutschen Hersteller 3091 Reisemobile – soviel wie nie zuvor. Zusammen mit den 2 202 Caravans lagen sie 18,1 Prozent über Vorjahr. Von Januar bis Juli sind die Absatzzahlen der Campingmobile damit um rund zehn Prozent nach oben geschossen – auf zusammen 36 646 Stück. „Diesen Schwung nehmen wir auch mit in das zweite Halbjahr“, kündigte Verbandschef Sternberg an.

Den Campern allerdings bringt das Beschwernisse. Nicht nur für Reparaturen müssen sie inzwischen längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch die Lieferfristen für begehrte Neumodelle werden immer länger, wie es beim CIVD heißt.

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