Cargo-Aufkommen eingebrochen
Lufthansa Cargo will Kurzarbeit anmelden

Die aktuelle Wirtschaftskrise wirkt sich immer heftiger auf die Luftfahrt aus. Das internationale Cargo-Aufkommen ist drastisch zurückgegangen. Mittlerweile ist das über den Luftweg transportierte Frachtvolumen sogar im gesamten Jahr 2008 gefallen. Die Lufthansa kündigte jetzt an, für ihre Frachttochter Cargo Kurzarbeit beantragen zu wollen.

FRANKFURT. Man habe sich darauf mit dem Gesamtbetriebsrat geeinigt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Details wie etwa die Länge einer solchen Maßnahme sollen nun von einer Kommission erarbeitet werden. Die Ankündigung, von der rund 2600 Mitarbeiter bei Europas zweitgrößter Airline betroffen sind, zeigt, wie massiv die Luftfahrtbranche mittlerweile unter der Krise leidet. Es ist das erste Mal seit weit über zehn Jahren, dass LH Cargo zum Instrument der Kurzarbeit greift. Selbst nach den Terrorattacken im September 2001 war es nicht zum Einsatz gekommen.

Der Weltluftfahrtverband IATA hat errechnet, dass das internationale Cargo-Aufkommen im Dezember um satte 22,6 Prozent eingebrochen ist. Mittlerweile ist das über den Luftweg transportierte Frachtvolumen sogar im gesamten Jahr 2008 gefallen, und zwar um vier Prozent. "Der freie Fall kommt unvorhergesehen und ist schockierend", sagte Giovanni Bisignani, CEO der IATA. Sogar im September 2001, als der Großteil der weltweiten Flotte am Boden geblieben war, habe der Rückgang lediglich 13,9 Prozent betragen. "Das Jahr 2009 wird eines der schwersten für die weltweite Luftfahrtindustrie. Die Airlines müssen ihre Sitzgurte festschnallen und sich für einen unruhigen Flug und eine harte Landung rüsten", warnte Bisignani.

Auch Lufthansa Cargo erlebte im Dezember einen bislang unbekannten Einbruch. Das Frachtvolumen sackte um 21,4 Prozent in den Keller. "2008 wird ein herausforderndes Jahr für uns", sagte Cargo-Chef Carsten Spohr. LH Cargo hatte Anfang Dezember bereits die Frachtkapazitäten angepasst und unter anderem gechartere Flugzeuge zurückgegeben Nun seien Anpassungen bei den Personalkapazitäten unumgänglich, sagte Spohr.

Die Cargobranche gilt als Wachtumsindikator. Der Einbruch des Frachtvolumens zeigt, wie sehr die aktuelle Wirtschaftskrise mittlerweile den weltweiten Handel in Mitleidenschaft gezogen hat.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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