Carrefour und Casino
Kampf um brasilianischen Markt

Die Einzelhandelsriesen Carrefour und Casino kämpfen um die Vorherrschaft auf dem boomenden brasilianischen Markt. Umso mehr droht Casino dem Konkurrenten bei einer geplanten Fusion dazwischen zu funken.
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Paris Casino drohte, die geplante Fusion der brasilianischen Carrefour-Sparte mit dem größten einheimischen Einzelhändler Grupo Pao de Acucar (GPA) zu blockieren. Ohne eine Zustimmung von Casino gehe nichts, erklärte die Supermarktkette, die bei GPA einen Kontrollanteil hält. Casino reagierte damit umgehend auf einen Beschluss des Verwaltungsrats von Carrefour, der die Fusionspläne am Montag absegnete. Mit der Expansion in Brasilien wollen beide Konzerne die Schwäche auf dem Heimatmarkt ausgleichen. 

Casino bezeichnet die Carrefour-Verhandlungen mit GPA ohne seine Zustimmung als illegal und drohte nun, die Führung des Rivalen dafür zur Verantwortung zu ziehen. Casino geht bereits deswegen gegen GPA vor. Noch während der Verwaltungsrat von Carrefour tagte, machte sich Casino-Chef Jean-Charles Naouri auf den Weg nach Brasilien. Geplant waren Gespräche mit Brasiliens Nationaler Entwicklungsbank (BNDES), wie es in Konzernkreisen hieß. Das Institut hatte erklärt, die für die Fusion zugesagten rund 1,7 Milliarden Euro nicht freizugeben, solange Casino nicht an Bord ist. 

Casino und GPA sind bereits seit 1999 Partner. In der Beziehung kriselte es zuletzt allerdings. Dennoch sehen Experten Casino in dem Streit im Vorteil. „Casino hatte alle Asse in der Hand“, sagte Analyst Justin Scarborough von der Royal Bank of Scotland. „Das Unternehmen braucht kein Bargeld und ist an einem langfristigen Wachstumstreiber beteiligt. Es hat jedes Recht, zu sagen: „Wir machen keinen Deal'.“ Auch könne Casino im nächsten Jahr eine weitere Aktie an der GPA-Holding Wilkes kaufen und damit die Mehrheit der Stimmrechte und das Recht zur Ernennung des GPA-Verwaltungsrates erhalten. Carrefour steht zudem nach drei Gewinnwarnungen seit Herbst unter Zugzwang. Sollte die Fusion aus den beiden Marktführern in Brasilien aber gelingen, würde dort ein neuer Branchenprimus entstehen. Mit einem jährlichen Umsatz von umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro und 212.000 Mitarbeitern wäre es das größte private Unternehmen in dem aufstrebenden Schwellenland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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