Center-Tainment floppt bei Eurodisney
Die Micky-Maus-Jäger aus der Schweiz

Die unbekannte Schweizer Firma Center-Tainment hat einen effektvollen Auftritt auf dem internationalen Finanzparkett hingelegt. Der Plan lautete, den Freizeitpark Eurodisney zu übernehmen. Doch das Unterterfangen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die ganze skurile Geschichte.

ZÜRICH/PARIS. Gestern 13.10 Uhr: Anruf von Thomas von Hagen, nach eigener Auskunft Freizeitexperte und Marketing-Chef von Center-Tainment. Er sei nur schnell aus einer Besprechung heraus. „Wir suchen noch nach Lösungsansätzen“, sagt er. Die Lösung drängt. Bis Montagabend musste Center-Tainment auf die Ankündigung, Eurodisney kaufen zu wollen, Taten folgen lassen. Sonst, so hatte die französische Börsenaufsicht AMF angekündigt, muss die Firma ihre Übernahmegelüste um mindestens ein halbes Jahr verschieben. Nun haben die Micky-Maus-Jäger aus der Schweiz offenbar kalte Füße bekommen. Von einer Offerte war am Abend nichts mehr zu hören. Die Strafe der französischen Börsenaufsicht folgte am Dienstagmorgen: Angebotssperre für sechs Monate.

Die Firma für die von Hagen im Einsatz ist, kannte außer den kantonalen Behörden im Schweizer Steuerparadies Zug bis vergangene Woche kaum jemand. In Zug hat Center-Tainment einen Briefkasten und ist im Handelsregister eingetragen. Daraus geht hervor, dass das Unternehmen sich an Freizeit- und Erlebnisparks beteiligen wolle. An der Frankfurter Börse ist Center-Tainment ebenfalls bekannt: notiert unter „ferner liefen“, im „open market“ – dort, wo die Aufsicht am wenigsten hinguckt.

Vergangene Woche trat dann Center-Tainment ins Licht der Öffentlichkeit. Im Konferenzraum des Pariser Hotels Littré verkündete die Center-Tainment-Führung ihren kühnen Plan, den Freizeitpark-Betreiber Eurodisney zu übernehmen. Erstaunen bei den Journalisten: Wie sie denn eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, die Eurodisney nunmal ist, übernehmen wollten? Schließlich fungieren die an der Börse gehandelten Aktien nur als Kommanditisten-Anteile, haben also keinerlei Stimmrecht. Die Komplementäre – bei Eurodisney vor allem der US-Medienkonzern Walt Disney – haben das Sagen. Verwirrte Blicke bei den Center-Tainment-Managern: „Unser Anwalt ist krank“, lautete die originelle Entschuldigung.

„Center-Tainment räumt ohne wenn und aber ein, dass die Konferenz im Ergebnis unglücklich verlaufen“ ist, erklärte das Unternehmen am Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung. Und verbreitet Verschwörungstheorien: Angesichts des massiven Kurssturzes der Center-Tainment-Aktie bestehe der Verdacht, dass „die Aktie geshortet worden“ sei, um die Aktientauschofferte zu torpedieren. Daher solle die französische Börsenaufsicht AMF eingeschaltet werden.

Das ist gar nicht nötig. Denn die Pariser Börsenaufseher sind von sich aus auf die sonderbare Truppe aus der Schweiz aufmerksam geworden. Am Freitag leitete die AMF eine Untersuchung ein. Ferner erinnerte sie an ihre Kriterien für die Zulassung einer möglichen Offerte: So müssen die zum Tausch angebotenen Aktien liquide sein und an einem geregelten Markt gehandelt werden. Das trifft auf die Center-Tainment-Aktien nicht zu; also müssten von Hagen und seine Mitstreiter eine Barofferte als Alternative bieten. Kein leichtes Unterfangen: Die Marktkapitalisierung von Eurodisney liegt bei 272 Mill. Euro plus 1,6 Mrd. Euro Schulden. Center-Tainment hingegen ist an der Börse keine 40 Mill. Euro schwer.

Für die Krisensitzung bei Center-Tainment gab es also allerhand Gründe. Vielleicht hilft ein Blick ins das jüngste Micky-Maus-Heft. Da gibt es ein „Spion-Periskop“ als Zugabe. Könnte ja sein, dass das Management durch intensives Spionieren herausbekommt, wie es die Übernahme doch noch deichseln kann.

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