CEO Milton setzt auf Doppelstrategie als Billigflieger und Premiumanbieter
Die schon totgesagte Air Canada peilt wieder Gewinne an

Vor Wochen noch sagten Medien in Kanada das baldige Ende der Air Canada voraus. Doch Robert Milton, Chief Executive Officer (CEO) der größten kanadischen Fluggesellschaft, gibt sich optimistisch: „Im zweiten Quartal werden wir wieder einen operativen Gewinn erwirtschaften und 2005 ein positives Jahresergebnis“, sagte er dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 145 Mill. kanadischer Dollar (87 Mill. Euro) ausgewiesen. Der 48-jährige Milton will sein ehrgeiziges Ziel durch eine Doppelstrategie erreichen: als Billigflieger auf dem nordamerikanischen Markt und als Premiumanbieter auf interkontinentalen Routen. Den Grundstein hat er durch einen rigorosen Kostenabbau gelegt: „Wir haben dauerhaft pro Jahr 2 Mrd. Kan-Dollar (1,25 Mrd. Euro) an Kosten eingespart“ - knapp die Hälfte beim Personal. Konsequent nutzt er das Insolvenzverfahren, unter dessen Schutz Air Canada im April 2003 geflüchtet ist. „Wir haben jetzt auch Luft, um den hohen Kerosinpreis aufzufangen“, glaubt er.

Im US-Markt biete Air Canada inzwischen Discountfliegern wie WestJet Paroli, sagt Milton. „Das Streckennetz zeigt, wie weit Air Canada dort bereits eingedrungen ist“, bestätigt David Knibb vom Fachmagazin Airline Business. Milton treibt die Expansion voran. Er hat 90 Regionalfluggzeuge bei Bombardier und Embraer in Brasilien bestellt.

Parallel zur Expansion als Regionalflieger baut Milton die interkontinentalen Verbindungen kräftig aus, vor allem nach Asien und Südamerika. Die transpazifische Route über Vancouver nach Asien ist um Stunden kürzer als von fast allen Flughäfen an der US-Pazifikküste. Auf diesen Routen will sich Air Canada als Top-Marke für Geschäftsreisende etablieren. „Vor allem Geschäftsleute aus Asien, die nach Südamerika wollen, fliegen jetzt über Kanada – wegen der neuen Visabestimmungen der USA“, berichtet Milton.

Auf dem Weg zum Global Player verlagere sich das Kerngeschäft auf die interkontinentalen Routen. „Aber in beiden Märkten – regional wie international – treten wir als eine Dachmarke auf: ,Air Canada’", betont er - im festen Glauben, die „Marke nicht zu trivialisieren“

.

Den Spagat zwischen regionalem Discountflieger und klassischem Linienflieger mit Anspruch als Top-Marke wertet Martin Köhler, Luftfahrtexperte bei der Boston Consulting Group, als „sehr mutiges und längerfristig visionäres Geschäftsmodell“. Das hätten europäische Fluglinien noch nicht geschafft. Mit der Deutschen Bank im Rücken – sie sprang Ende Mai in die Bresche - glaubt Milton, dass Air Canada im September 2004 den Insolvenzschutz verlassen kann. Claude Proulx, Luftfahrt-Analyst bei der Bank of Montreal Nesbitt Burns, teilt den Optimismus: „Die Untergangs-Schlagzeilen reflektierten nicht die Realität“.

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