Cewe Color
Stark unterbelichtet

Im Kampf um die Kontrolle von Cewe Color muss die Rolle der Buhmänner wohl neu besetzt werden: Um Finanzinvestoren loszuwerden, sollen Vorstand und Aufsichtsrat versucht haben,den Aktienkurs zu manipulieren – und der Feind hörte mit. Was genau geschah. Ein Handelsblatt-Report.

OLDENBURG. Um 15.57 Uhr wird der Kontrolleur zum Komplizen. Hubert Rothärmel sitzt im zweiten Obergeschoss des Hauptgebäudes von Cewe Color und atmet durch. Gerade ist eine ungemütliche Telefonkonferenz mit der „Heuschrecke“ vorbei, wie man die ungeliebten Investoren beim Oldenburger Fotokonzern nennt. In New York hat David Marcus, Chef des US-Fonds Marcap, aufgelegt. So auch Sebastian Freitag, der Finanzberater von Marcus und sein Abgesandter im Aufsichtsrat von Cewe Color.

Man ist wieder unter sich. Also bespricht Rothärmel, der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, mit seinem Vorstandschef Rolf Hollander die Abwehrstrategie gegen die Forderungen von David Marcus.

Aber Hubert Rothärmel und Rolf Hollander machen an diesem 24. Januar 2007 einen Fehler: Sie legen den Hörer nicht auf.

Zur gleichen Zeit in Frankfurt am Main: Eine Stunde lang hat der Investmentbanker Jochen Müller* dem Hin- und Her zwischen New York und Oldenburg zugehört. Sein Job war es, die Telefonkonferenz einzuleiten und für seinen Chef Sebastian Freitag Notizen zu machen. Nun scheint das Gespräch vorbei. Müller nimmt den Hörer in die Hand und will auflegen. Da hört er plötzlich etwas Unglaubliches.

„Die Drohung mit der Gewinnwarnung hat geklappt. Unsere Strategie sollte sein, den Aktienkurs erst mal sacken zu lassen“, klingt es aus dem Telefonlautsprecher. Die Stimme kennt Jochen Müller. Sie gehört Rolf Hollander, dem Vorstandsvorsitzenden von Cewe Color. Müller legt nicht auf.

In den nächsten 22 Minuten kommt sich Müller vor wie in einem Wirtschaftskrimi. Hollander spricht davon, eine Empfehlung des Finanzberaters von Cewe Color anders darzustellen, als sie ist, einzelne Großaktionäre will der Vorstandschef „ruhig stellen“.

Nach und nach werden die Pläne immer wilder. „Wir allein bestimmen den Aufsichtsrat“, sagt Hollander. „Wir werden Ende Februar eine Gewinnwarnung von zwanzig Prozent schalten. Wir müssen den Kurs unter dreißig Euro ziehen. Dann machen wir das Tender“ – ein öffentliches Rückkaufangebot an die Aktionäre. Und der Aufsichtsratsvorsitzende Rothärmel antwortet: „Ja, so machen wir’s.“

Um 16:19 Uhr legen die beiden auf.

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