Chaos nach Unwetter

Bei der Bahn „geht die Welt unter“

Das Unwetter im Westen hat die Bahn ins Chaos gestürzt: Viele Züge fallen aus – und die Kunden wissen nicht, was Sache ist. Der Konzern schafft es nicht, sie mit Informationen zu versorgen. Eine Frage der Technik.
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„Ansage beachten“: Oft informiert die Bahn nur sehr ungenau, wann verspätete Züge abfahren. Ein Ärgernis für die Kunden. Quelle: dpa

„Ansage beachten“: Oft informiert die Bahn nur sehr ungenau, wann verspätete Züge abfahren. Ein Ärgernis für die Kunden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Bahn-Mitarbeiterin wedelt mit Taxigutscheinen. Wer sich per Auto weiterkutschieren lassen will, ist bei ihr an der richtigen Adresse, die Reisenden an Gleis 1 des Wuppertaler Hauptbahnhofs stehen bei ihr Schlange. Wer wissen will, ob die angekündigte Regionalbahn nach Düsseldorf kommt, bekommt von ihr aber nur einen bedauernden Blick. „Nehmen Sie den Shuttle-Bus, der draußen fährt – der kommt auf jeden Fall an“, sagt sie. Fünf Minuten später fährt der Zug doch ein, sogar fast pünktlich. Glück gehabt.

Die Szene vom Wuppertaler Hauptbahnhof ist symptomatisch für das Chaos, das derzeit bei der Deutschen Bahn herrscht: Nach dem schweren Unwetter am Pfingstmontag, das Teile von Nordrhein-Westfalen verwüstete, fährt kaum ein Zug, wie es im Fahrplan angekündigt ist. Und wieder einmal gelingt es dem Transportkonzern nicht, seiner Kunden in einer Extremsituation zuverlässig zu informieren, ob und wie sie ans Ziel kommen. Auch die Taxigutscheine helfen nur bedingt weiter, weil viele Fahrer diese nicht annehmen.

Das Chaos am Morgen danach
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Nach der Rekordhitze an den Pfingsttagen haben am späten Montag in Teilen Nordrhein-Westfalens heftige Unwetter gewütet. In Düsseldorf (im Bild), Köln und Essen kamen fünf Menschen ums Leben (Foto: Rüdel).

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Am Morgen danach: Der Blick aus einem Düsseldorfer Fenster. Mit Dank an Twitter-Nutzer @udovetter.

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Autofahrer erlebten am Morgen eine böse Überraschung: In vielen Gegenden wie hier im Düsseldorfer Süden waren Straßen wegen umgestürzter Bäume unpassierbar. Der Weg zur Arbeit wurde so zur Tortur...

Hauptbahnhof Köln
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Aber auch wer auf Zug und Bahn umsteigen wollte, hatte es nicht unbedingt leichter. Nach den zahlreichen Streckensperrungen gab es viele Zugausfälle und Verspätungen im Bahnverkehr.

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Auch die Zentrale der Ergo-Versicherung blieb vom Unwetter nicht verschont. Den eindrucksvollen Blitzeinschlag kann man auch im Video verfolgen.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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Herabfallende Äste waren vielerorts noch das kleiner Übel. Gefahr ging auch von Bäumen aus, die nach dem Sturm komplett umknickten oder vom Wind entwurzelt wurden.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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In Neuss liegen die Überreste eines Flachdaches liegen. Der Wind hat das Bauelement in seine Einzelteile zerlegt.

Die Verspätungen an sich kann man in diesem Fall nicht der Bahn anlasten. Denn das Schienennetz ist ein höchst komplexes Gefüge. Wenn ein Unwetter wie am Montag mehrere wichtige Strecken blockiert, sind massive Verspätungen nicht zu vermeiden – dafür ist der Fahrplan zu eng getaktet. So müssen die regionalen Leitstellen unpopuläre Entscheidungen treffen: Welche Züge dürfen weiterfahren, welche müssen warten?

Für die Informationspolitik ist die Bahn aber durchaus verantwortlich. Denn viele Probleme sind hausgemacht, wie die „WirtschaftsWoche“ schildert. So nutzt die Firma unterschiedliche IT-Systeme: Die Bahnhofstafeln werden mit anderen Daten gefüttert als die Auskunft auf der Website oder die Smartphone-App. Die Folge: Überall andere Informationen – und nie weiß man, welche stimmt. Mit massiven Investitionen will die Bahn die IT-Systeme vereinheitlichen, aber das dauert.

Doch schon an der Quelle stimmen viele Daten nicht. Denn anders als Autos mit Navigationssystem bestimmen die Züge nicht per GPS ihre Position, sondern anhand von Messpunkten auf der Strecke. Erst wenn die Bahn sie erreicht, wird die Anzeige aktualisiert. Die Folge: Wenn es irgendwo nicht weitergeht, weil ein umgestürzter Baum die Gleise blockiert, wird der Zug womöglich trotzdem noch als pünktlich angezeigt. „Leider zeigen sich hier die Grenzen des Systems“, schreibt das Twitter-Team der Bahn verärgerten Kunden.

Am Engagement der Mitarbeiter liegt es indessen nicht. Der Hauptbahnhof in Köln: Eine Traube von Menschen belagert den behelfsmäßigen Infostand. „Die Welt geht hier unter“, sagt eine Bahnmitarbeiterin zu ihrem Kollegen. Wer einen DB-Anstecker trägt, wird von den wartenden Fahrgästen belagert.

Direkt neben dem Stand platzieren sich im Laufe des Vormittags weitere Mitarbeiter, die einen Taxischein nach dem nächsten ausstellen. Wer in größere Städte wie Düsseldorf will, hat Glück; die Bahn schickt dort Sammeltaxen hin. Wer aber etwa nach Saarbrücken oder Emden will, braucht deutlich länger. Mit Smartphones sondieren die Bahnmitarbeiter die Fahrplanlage, meistens vergeblich. Mehr Infos als die Fahrgäste haben die eigenen Leute auch nicht.

  • chk
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