Chemiekonzerne unter Druck
Die brasilianische Krankheit

Die Krise in Brasilien setzt den Agrarchemieherstellern zu. Syngenta streicht die Prognose für 2015 zusammen, Monsanto baut Stellen ab. Die Probleme der Bauern in Lateinamerika werden auch Bayer und BASF treffen.

DüsseldorfWährend in Europa der Winter seine ersten Vorboten schickt und die Menschen schon im Oktober dick verpackt durch die Straßen laufen, bereiten sich die Brasilianer auf die heiße Jahreszeit vor. In dem Land ist der Frühling angebrochen. Für die Landwirte heißt das: Raus auf die Felder, die Aussaat beginnt, und damit die kommende Ernte üppig ausfällt, müssen Pflanzenschutzmittel eingekauft werden.

Doch die Stimmung unter den Bauern in Brasilien ist gedrückt. Das Land ist einer der größten Produzenten landwirtschaftlicher Güter, die Bauern exportieren hohe Mengen an Soja und Mais vor allem nach Asien und in die USA. Der Verfall der brasilianischen Währung Real setzt den Landwirten im größten südamerikanischen Land massiv zu: Um 50 Prozent ist der Real in den zurückliegenden zwölf Monaten bereits gefallen, allein im zurückliegenden Quartal waren es 25 Prozent. Der Effekt: Der Kauf importierter Pflanzenschutzmittel und Saatgutprodukte wird für die Landwirte deutlich teurer. Zugleich sinkt der Umsatz mit den Produkten, die in Dollar gehandelt werden.

Ohnehin sind die Preise für landwirtschaftliche Produkte wie Soja seit Monaten im Tiefflug. Kein Wunder also, dass sich die brasilianischen Bauern beim Kauf von Agrochemikalien zurückhalten. Das wiederum schlägt voll in die Bilanzen der Pflanzenschutz- und Saatgutproduzenten.

Brasilien ist für die meisten Agrochemieunternehmen der entscheidende Markt im zweiten Halbjahr. Sie kürzen reihenweise ihre Jahresprognosen oder bauen Stellen ab. Wie stark die deutschen Hersteller Bayer und BASF betroffen sind, ist derzeit noch nicht bekannt.

Bei den beiden größten Agrochemieherstellern ist die brasilianische Krankheit schon ausgebrochen. Syngenta aus der Schweiz sagt für dieses Jahr einen Gewinnrückgang voraus. Lateinamerika werde die ursprünglichen Erwartungen für 2015 nicht erfüllen, sagte Syngenta-Chef Mike Mack am Donnerstag. Um acht Prozent sanken im dritten Quartal die Umsätze des Konzerns in Südamerika – zu konstanten Wechselkursen gerechnet. Laut Syngenta leiden die Bauern in Südamerika auch unter Liquiditätsengpässen aufgrund schwieriger Kreditvergabe. Die Syngenta-Aktie sank am Donnerstag in Zürich um 1,5 Prozent.

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