Chronologie
Preissystem von Anfang an in der Kritik

Mit der Einführung eines neuen Preissystems am 15. Dezember 2002 wollte Bahnchef Hartmut Mehdorn das Bahnfahren attraktiver machen und den „Tarifdschungel“ lichten.

HB/dpa HAMBURG. Schon vor Inkrafttreten gerieten die neuen Tarife aber ins Kreuzfeuer der Kritik. Hier eine Chronologie:

9. Oktober 2002: Mehdorn spricht bei der Vorstellung des neuen Preissystems von einer neuen Ära in der Geschichte der Bahn: „Wir werden durch attraktive Preise mehr Verkehr auf die Schiene holen.“

4. November: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beklagt für zwei Drittel aller Bahnkunden Nachteile. Die Bahn: Nur wenige Bahnfahrer sind schlechter gestellt.

21. November: Die Stiftung Warentest kritisiert in einer Mängelliste zu teure Nahverkehrsverbindungen, familienunfreundliche und unübersichtliche Preise. Mehdorn spricht von „verzerrter“ Darstellung.

15. Dezember: Die Bahn bewältigt den Start des neuen Preissystems nach eigenen Angaben problemlos. An überfüllten Schaltern kommt es zu einem Run auf die alte Bahncard mit 50 Prozent Rabatt, die zum letzten Mal verkauft wird. Mit der neuen Bahncard gibt es nur noch 25 Prozent Rabatt, sie ist dafür aber billiger.

22. Dezember: Die Bahn droht dem Fahrgastverband Pro Bahn mit juristischen Schritten. Der Verband hatte von einem „Preischaos“ beim Fahrkartenverkauf gesprochen.

27. März 2003: Laut einem Testergebnis der Stiftung Warentest lässt sich die Bahn viele Tickets zu teuer bezahlen. Mehdorn lehnt Änderungen am Preissystem erneut ab.

11. April: In Berlin fordern Bundesumweltministerium und Umwelt- und Verkehrsverbände Nachbesserungen von der Bahn. Vertreter der Bahn waren nicht zu dem Treffen eingeladen worden.

20. Mai: Nach hohen Verlusten und drastischem Fahrgastrückgang verlieren die beiden für das neue Preissystem verantwortlichen Vorstände Christoph Franz und Hans-Gustav Koch ihre Posten. Mehdorn kündigt Nachbesserungen an. Die Bundesregierung verlängert Mehdorns Vertrag vorzeitig bis 2008.

2. Juli: Die Bahn gibt Änderungen an dem Preissystem bekannt und führt unter anderem vom 1. August an wieder eine Bahncard mit 50 Prozent Rabatt ein, die allerdings deutlich teurer sein wird als früher - 200 Euro statt 140 Euro.

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