Cirque du Soleil
Der Milliarden-Zirkus

Der Cirque du Soleil gastiert wieder in Deutschland. Der Großbetrieb mit 5 000 Mitarbeitern fasziniert Publikum und Managementberater zugleich. Denn er liefert eine Erfolgsstory in einer darbenden Zunft.

DüsseldorfAls Geschäftsmann bin ich besser als ein Artist", pflegt Guy Laliberté zu sagen. Der Gründer des kanadischen Zirkus Cirque du Soleil kokettiert gern mit seinem Erfolg: Vom armen (Feuer-)Schlucker zum Milliardär - so ließe sich Lalibertés Karriere ohne Übertreibung beschreiben. Das Magazin "Forbes" schätzte sein Privatvermögen 2010 auf 2,7 Milliarden Dollar. In diesem Jahr will er mit seinem globalen Zirkuskonzern erstmals die Schallmauer von einer Milliarde Dollar Jahresumsatz durchbrechen.

Der Aufstieg des Cirque du Soleil ist umso frappierender, als er in einer kränkelnden Branche glückte. Erzielt doch so mancher Zirkus nur noch durch Pleitemeldungen Aufmerksamkeit. Der Veranstalter von André Hellers Pferdeshow "Magnifico" zum Beispiel meldete im Juli Insolvenz an. Vor drei Jahren schloss der Traditionszirkus Siemoneit-Barum nach 130 Jahren. Zirkus Busch-Roland reist seit 2010 nicht mehr. Die knapp 300 Zirkusse, die durch deutsche Lande tingeln, sind oft von Existenzsorgen geplagt.

Ganz anders der Cirque du Soleil: In diesem Jahr peilt er einen Rekordgewinn von 250 Millionen Dollar an - ein sattes Viertel des Umsatzes. Von solchen Renditen können andere Unternehmen nur träumen.
Der Ausnahmezirkus wird deshalb gern als klassische Fallstudie für Strategieberater herangezogen. Im Bestseller "Blue Ocean Strategy"Zirkus ganz neu zu erfinden. "Cirque Réinventé" hieß denn auch vielsagend das Programm, mit dem 1987 der Durchbruch gelang. Tiere und Sprache verbannte er aus der Manege. "Ich füttere lieber drei Akrobaten durch als einen Elefanten", wird Laliberté zitiert. Der Cirque du Soleil macht feinsinnigen, artistisch leichten Zirkus. Schillernde Kostüme und selbst komponierte sphärische Musik entführen in eine futuristische und nostalgische Fantasiewelt.

Strategieprofessoren loben das clevere Geschäftsmodell des Cirque du Soleil: Denn er machte dem klassischen Zirkus nicht die schrumpfende Zielgruppe streitig, sondern erschloss ein ganz neues Publikum: gut zahlende Erwachsene und Unternehmen.

Über elf Millionen Tickets verkaufte der Cirque 2010 weltweit. Dabei fing vor knapp 30 Jahren alles ganz klein an: Laliberté, Sohn eines PR-Managers und einer Krankenschwester, zog mit 20 alternativen Straßenartisten durch Vororte von Québec. 1984 sollte die Gruppe für die Stadt die 450-Jahr-Feier der Entdeckung Kanadas ausrichten. Der Cirque du Soleil war geboren.

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