city2city-Kapitulation
Harter Fernbusmarkt fordert erstes Opfer

Harter Verdrängungswettbewerb auf dem deutschen Fernbusmarkt. Nun streicht ausgerechnet der europäische Branchenprimus sein Angebot, weil auf Sicht kein Geld zu verdienen sei. Auch die Bahn merkt den Preisdruck.
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Frankfurt2,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr waren dann offenbar doch zu viel: Mit dem Frankfurter Unternehmen city2city gibt der erste größere Anbieter von Fernbusreisen Mitte Oktober sein Geschäft auf. Die Begründung: Auf dem deutschen Markt lasse sich wegen der anhaltend niedrigen Preise auf Sicht kein Geld verdienen. „Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird“, verabschiedete sich city2city ein wenig unfein aus dem deutschen Markt, an dem es zuletzt als Nummer 6 noch etwa drei Prozent hielt.

Dass es ausgerechnet die deutsche Tochter des europäischen Branchenriesen National als erste erwischen würde, war im Geburtsjahr des deutschen Fernbusmarktes 2013 nicht zu erwarten gewesen. Schließlich vermutete man bei dem britisch-spanischen Verkehrskonzern entsprechendes Knowhow und ausreichend Kapital, um es mit dem bis dahin größten nationalen Anbieter, der Deutschen Bahn AG, und einigen eher studentisch anmutenden Startups wie MeinFernbus, DeinBus oder Flixbus aufnehmen zu können. Spät kam aber auch noch das ebenfalls kapitalstarke Duo ADAC und Deutsche Post dazu.

In dem vor nicht einmal zwei Jahren geöffneten Markt bekämpfen sich die Anbieter, die in der Regel ihre Verbindungen von regionalen Busfirmen als Subunternehmen fahren lassen, mit Kampfpreisen und ständig weiter ausgefeilten Netzen. Inzwischen sind Fahrten in das benachbarte Ausland und Nachtbusse en vogue, zumal hier der Zeitvorteil der Bahnverbindungen schmilzt.

Marktführer mit einem Anteil von 45 Prozent ist nach Erhebungen des Beratungsunternehmen Iges die Berliner MeinFernbus GmbH mit einem Anteil von 45 Prozent. „Wir können demnächst unseren 7-millionsten Fahrgast begrüßen und erreichen unsere selbstgesteckten Ziele sehr gut“, sagt MeinFernbus-Sprecher Florian Rabe selbstbewusst.

Schweigsam wird das Unternehmen, wenn nach dem Zeitpunkt gefragt wird, an dem erstmals Gewinne fließen. Gerade noch 4 Cent zahlte im September ein Branchenkunde pro Kilometer im Schnitt, wenn er eines der günstigen Aktionstickets erwischt hat, berichtet Iges-Experte Christoph Gipp. Der durchschnittliche Normalpreis sei in der Zweijahresfrist um 2 auf rund 9 Cent gefallen. Nur auf einzelnen, möglichst von einem Unternehmen allein angebotenen Destinationen und auf Flughafenanbindungen lassen sich höhere Preise durchsetzen.

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