Cityline-Streik
Der große Schlag blieb aus

Bei der Lufthansa haben die Piloten der Tochter Cityline die Machtprobe gewagt. Doch der 36-stündige Streikaufruf der Pilotenvereinigung Cockpit war nicht der erhoffte große Schlag – und das könnte Absicht gewesen sein.

HB FRANKFURT. Fünf Tage nach dem Ende der Streiks beim Boden- und Kabinenpersonal gingen die Flugzeugführer in den Ausstand - und ließen damit zum Leidwesen der Reisenden bereits zum dritten Mal in ihrer Tarifrunde hunderte Flüge auf innerdeutschen und innereuropäischen Strecken mit regulären Streiks ausfallen.

„Ich bin Italiener, wir sind das gewöhnt“, stöhnt Musikprofessor Giampaolo Di Rosa am Donnerstag am Frankfurter Flughafen. Sein Flug über München nach Krakau wurde kurzfristig gestrichen, jetzt wird er auf eine andere Maschine umgebucht. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte die Öffentlichkeit erst wenige Stunden vor dem Streik informiert: An einigen deutschen Flughäfen gab es deshalb am frühen Morgen lange Schlangen. Doch am Mittag herrschte etwa am Drehkreuz Frankfurt fast wieder Normalbetrieb.

Ohnehin war der Streikaufruf nicht der große Schlag, den Piloten der Lufthansa am Wochenende noch angekündigt hatten. Lediglich die Cityline-Piloten traten in den Ausstand und ließen von den rund 400 geplanten Cityline-Flügen 360 ausfallen. Die Eurowings-Piloten waren schon nicht mehr zum Streik aufgerufen – hier zeichnet sich laut Lufthansa eine Einigung ab, ebenso wie bereits bei dem Billigflieger Germanwings der Tarifkonflikt friedlich beigelegt werden konnte.

Und zum Streik der rund 3 500 Piloten der Konzernmutter Lufthansa, der schlimmere Folgen als die bisherigen Streiks von Piloten und Bodenpersonal zusammen haben könnte, hatte die Pilotengewerkschaft ebenfalls nicht aufgerufen. Warum nicht auch hier der Streik anlief und ob er völlig ausgesetzt ist, ließ die Gewerkschaft offen.

Die Zurückhaltung legt nahe, dass die Schadenersatzdrohung der Lufthansa Wirkung gezeigt hat. Denn anders als bei den Töchtern geht es den Piloten in der Lufthansa AG nicht um die Bezahlung, sondern um eine bessere Mitsprache durch die Schaffung einer Personalvertretung auf Konzernebene nur für Piloten. Ein Streik dafür wäre aber nach Auffassung von Lufthansa illegal, da der Gesetzgeber gemeinsame Vertretungen von Piloten und Kabinenpersonal vorsehe. „Es ist kein Streikthema“, meinte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer.

Somit versuchen derzeit allein noch die Cityline-Piloten, mit einem Streik ihre Forderungen durchzusetzen. Im Kern geht es darum, dass die Piloten der Cityline analog den Piloten der Konzernmutter bezahlt werden wollen. Doch damit stünde möglicherweise das Geschäftsmodell der Cityline auf dem Spiel. Lufthansa könnte die Firma auflösen und ähnlich wie British Airways im Regionalverkehr viel stärker auf externe Partner setzen, wird in der Branche spekuliert. Lufthansa-Personalvorstand Lauer gibt sich indes zuversichtlich, dass der Tarifkonflikt bei Cityline nach dem Streik nun rasch gelöst wird – womöglich auch mit Hilfe eines unabhängigen Schlichters.

Inzwischen fordert die Lufthansa ein Eingreifen der Politik. Es müsse einen gesetzlichen Rahmen geben, um die Konkurrenz unterschiedlicher Gewerkschaften in einem Konzern zu regeln, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag und bestätigte damit einen Vorabbericht der „Rheinischen Post“. Personalchef Stefan Lauer hat sich zuvor für „Spielregeln“ im Umgang mit der Pluralität von Arbeitnehmervertretungen im selben Unternehmen ausgesprochen, ohne direkt nach einem Gesetz zu rufen.

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