Coach übernimmt Kate Spade
Der Traum von einem amerikanischen Luxusgiganten

Das US-Luxuslabel Coach schluckt den Handtaschen-Rivalen Kate Spade für 2,4 Milliarden Dollar. Damit kommen die Amerikaner ihrem Traum näher, ein amerikanisches Luxuskonglomerat à la LVMH oder Kering zu werden.
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New YorkKonsolidierung in der amerikanischen Modewelt: Das Traditionshaus Coach übernimmt den Handtaschenhersteller Kate Spade und zahlt dafür 2,4 Milliarden Dollar. Damit nähert sich das New Yorker Unternehmen dem inoffiziellen Ziel, ein amerikanisches Luxuskonglomerat nach dem Vorbild der Franzosen von LVMH oder Kering zu schaffen.

Mit dem Zukauf will der Vorstandsvorsitzende von Coach, Victor Luis, die Kundschaft des 75 alten Traditionshauses verjüngen. „Kate Spade hat eine wirklich einzigartige und differenzierte Marken-Positionierung mit einem breiten Lifestyle-Angebot und einer starken Gefolgschaft der Kunden, insbesondere der Millennials“, kommentierte Luis den Kauf. Coach hatte zuletzt den Anschluss an die jungen Generationen verloren.

„Coach kann von dem schnelleren Wachstum von Kate Spade profitieren, während Kate Spade von dem globalen Vertrieb und der Größe von Coach profitiert“, urteilt der Luxus-Analyst Luca Solca von Exane BNP Paribas. Den Vergleich mit LVMH und Kering sieht er etwas weit hergeholt: „Das ist ein neugeborenes Konglomerat, aber es hat nichts von der Diversifikation und der Marken-Dauer der französischen Anführer“, meint Solca. Coach und der bezahlbare Luxus blieben weiter stark abhängig von Sonderangeboten und Outlets.

Ähnlich wie andere US-Luxushersteller war auch Coach in den vergangenen Jahren extrem schnell gewachsen und hat damit an Exklusivität verloren. Dabei hat Coach lange sehr stark auf Billigangebote gesetzt und hat damit die Marke verwässert. Davon ist das Unternehmen erst vor kurzem abgekommen. Wie die jüngsten Quartalsergebnisse vergangene Woche gezeigt haben, zahlt sich dieser Ansatz nun aus.

In den vergangenen Wochen hatte es verschiedene Gerüchte über Übernahmen durch Coach gegeben. Das US-Unternehmen, das bereits den Edel-Schuhhersteller Stuart Weitzman gekauft hat, war auch als Interessent für den Schuhhersteller Jimmy Choo ins Spiel gebracht worden. Im vergangenen Jahr war auch über eine mögliche Übernahme des britischen Klassikers Burberry spekuliert worden.

Auch nach der Kate Spade-Übernahme bleibt Coach jedoch weit entfernt von den europäischen Vorbildern wie LVMH mit knapp 38 Milliarden Euro Umsatz oder Kering mit 12 Milliarden-Umsatz entfernt. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Coach 4,5 Milliarden Dollar umgesetzt und netto 460 Millionen Dollar verdient. Katie Spade kam auf 1,4 Milliarden Umsatz und 154 Millionen Gewinn. Ein weiterer großer Unterschied zu den Europäern: Bisher bleibt Coach vor allem im sogenannten „Accessible Luxury“ – also im bezahlbaren Luxus, in dem Handtaschen eher für ein paar Hundert als für ein paar Tausend Dollar wie etwa Hermès-Taschen zu haben sind.

Der Aktienkurs von Kate Spade reagierte mit einem Kurssprung von acht Prozent auf die Nachrichten.

Ob die Fusion klappt, muss sich zeigen. Was die Franzosen in den meisten Fällen sehr gut geschafft haben – die Integration von Marken, ohne sie zu zerstören – muss nicht immer gelingen. „Die Historie von Fusionen und Zukäufen in der Luxusindustrie hat gezeigt, dass Fusionen nicht unbedingt helfen, die Marken wieder attraktiv und erstrebenswert zu machen“ mahnten die Analysten von Exane-Paribas bereits, als vor ein paar Monaten Gerüchte über eine Fusion mit Burberry aufkamen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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