Cockpit-Tür
Wie sich ein Pilot in einer A320 einsperren kann

Die Cockpit-Tür in einer A320 ist eine wichtige Barriere. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde sie umgebaut, so dass sie sich nicht ohne Weiteres von außen öffnen lässt. Wie die Tür funktioniert.
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DüsseldorfSie ist vielleicht die sicherste Barriere im ganzen Flugzeug: Die Tür zum Cockpit der A320. Und wenn neuste Medienberichte sich bewahrheiten, hat sie einen der beiden Piloten an Bord des verunglückten Germanwings-Flugs 9525 daran gehindert, zurück ins Cockpit der Maschine zu gelangen.

Nach den Flugzeugentführungen des 11. September 2001 haben die USA verschärfte Sicherheits-Standards eingeführt, die die Lufthansa übernommen hat. Laut einem Bericht der "Zeit" aus dem Jahr 2011 hat die Fluggesellschaft 30 Millionen Euro für den Umbau der Türen ausgegeben.

Den Vorschriften zufolge dürfen die Crew-Mitglieder keine Schlüssel für den Zugang zum Cockpit benutzen, die sich Passagiere gewaltsam aneignen könnten. Zudem müssen die Türen kugelsicher sein und sogar Explosionen standhalten.

Ein Werbevideo auf YouTube zeigt, wie die Tür in der A320 funktioniert: Will ein Crew-Mitglied das Cockpit betreten, muss es den Piloten um Erlaubnis bitten (im Video ab Minute 4:00). Dazu gibt es in der Kabine ein Telefon, das eine Sprechverbindung zum Piloten aufbaut.

Ein Steward, der dem Piloten Wasser bringt, ruft also zuerst an. Dann drückt er auf einer Nummerntastatur neben der Tür das Raute-Zeichen. Im Cockpit geht ein Signalton an. Der Pilot öffnet daraufhin die Türverriegelung über einen Kippschalter.

Im Notfall, etwa wenn die Piloten bewusstlos sind, lässt sich die Tür über die Nummerntastatur von außen öffnen. Das geht aus dem Handbuch der A320 hervor. Dazu muss das Crew-Mitglied einen zwei- bis siebenstelligen Zahlencode und das Rautezeichen eintippen. 15 bis 120 Sekunden lang - die Fluggesellschaft kann die Dauer bestimmen - bleibt die Tür verschlossen und im Cockpit wird ein Warnton abgespielt. Reagiert der Pilot nicht, öffnet sich die Tür daraufhin für fünf Sekunden.

Der Pilot kann diesen Notfall-Mechanismus allerdings manuell unterbinden. Dazu verriegelt er die Tür mit dem Kippschalter. Das soll die Crew schützen, wenn ein Passagier ins Cockpit vordringen will. Die Nummerntastatur ist dann für fünf bis 20 Minuten außer Betrieb gesetzt. Auf diesem Weg könnte der Pilot des Flugs 9525 seinen Kollegen ausgesperrt haben.

Die Tür gewaltsam einzuschlagen, ist ohne schweres Werkzeug unmöglich. US-Flugexperten erklärten bereits, es sei „höchst ungewöhnlich“, dass ein Pilot allein im Cockpit war. Normalerweise müsse ein Crewmitglied dazu kommen, wenn einer der Piloten das Cockpit verlasse. In den USA ist dies Standard - in anderen Ländern hingegen nicht.

Es gab bereits Vorfälle, in denen der Pilot sich absichtlich im Cockpit verschanzte: Im November 2013 verriegelte der Pilot einer Embraer E190-Maschine der Fluglinie Linhas Aéreas de Moçambique die Tür. Laut einem Zwischenbericht der zuständigen Behörde in Namibia verließ der Co-Pilot das Cockpit, um zur Toilette zu gehen. Kurz darauf ging die Maschine in den Sinkflug. Nach sieben Minuten zerschellte sie auf dem Boden. Auf der Aufnahme des Stimmrekorders soll ein Alarmläuten und lautes Klopfen an der Tür zu hören sein. Den Alarmton, der zu hören ist, wenn die Maschine zu tief sinkt, schaltete der Pilot ab.

Andreas Menn
Andreas Menn
WirtschaftsWoche / Redakteur Technik & Wissen

Kommentare zu " Cockpit-Tür: Wie sich ein Pilot in einer A320 einsperren kann"

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  • Kann der Leser mit dieser schnellen ausführlichen Erklärung zufrieden sein? Noch lange nicht sind alle erforderlichen Beweismittel ausgewertet. Die zweite Box ist noch gar nicht gefunden. Senden nicht die heutigen Boxen ihre Daten auch an Satelliten, von wo diese abgerufen werden können? Und für mich stellt sich auch die Frage: Warum gibt es noch keine klare Aussage zum Flug MH17 über der Ukraine? Die Boxen stehen den Behörden schon seit Monaten zur Verfügung. Fragen über Fragen, für mich ist der fürchterliche aktuelle "Fall" noch lange nicht abgeschlossen.

  • Ein klassischer Fall von MindControl! Da die LH die "RunningHome" Software nicht verwendet, konnte das Flugzeug nur mit der zuerst genannten Methode gecrasht werden. Eine deutliche Warnung an die LH. Meines Erachtens ähnlich (allerdings mit der Atombombe vor der jap. Küste) wie der Fukushima-Crash, der ja ebenfalls bewusst herbeigeführt wurde als Warnung an Japan. Lieber Zensor, dieser Kommentar wurde bereits gespeichert, nix für ungut!

  • Stimmt allerdings! Deutet also wohl doch auf einen Suizid hin, mit welcher Absicht auch immer er 149 andere Menschen mitgenommen hat...

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