Comeback am Hauptstadtflughafen
BER wird Wowereit nicht los

Wowereit ist zurück. Am Abend wurde der Regierende Bürgermeister von Berlin erneut zum Aufsichtsratschef des neuen Berliner Flughafens gewählt. Der Rücktritt von seinem Rücktritt sorgt für Entrüstung.
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MotzenKnapp ein Jahr nach dem Rücktritt als Flughafen-Aufsichtsratschef kehrt Klaus Wowereit (SPD) auf den Posten zurück. Der Regierende Bürgermeister von Berlin bestimmt damit wieder die Geschicke des bislang missglückten Projekts Hauptstadtflughafen. Das Kontrollgremium wählte ihn mit 12 Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung, ein Mitglied fehlte. Wowereit hatte das Amt nach der vierten Absage der Flughafeneröffnung im Januar abgegeben. Er übernahm es aber schon im August wieder kommissarisch. Zum Stellvertreter wählten die Vertreter der Flughafeneigentümer - Berlin, Brandenburg und der Bund - sowie der Arbeitnehmer den brandenburgischen Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD).

Einen neuen Eröffnungstermin für den künftigen Airport in Schönefeld könne er nicht nennen, sagte Wowereit. Er machte auch keine Angaben zu einer neuen Kostenprognose. Wowereit betonte lediglich, das zur Verfügung gestellte Geld werde im kommenden Jahr ausreichen. Damit gilt noch immer ein Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro.

Kritik an der Wahl Wowereits gab es nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus den Regierungsfraktionen der Länder Berlin und Brandenburg, die mit dem Bund Eigentümer des Flughafens sind. Die in Brandenburg mitregierende Linkspartei betonte: „Wie angekündigt haben die Vertreter der Linken Klaus Wowereit nicht gewählt.“ Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bedauerte, dass das Kontrollgremium nicht die Kraft gefunden habe, einen externen Vorsitzenden zu finden. Die Fraktionschefin der oppositionellen Berliner Grünen, Ramona Pop, sprach vom peinlichsten Comeback des Jahres. Wowereit habe bereits gezeigt, dass er es nicht könne.

Wowereit sagte zu seiner Wahl, er empfinde keine Genugtuung: „Es gibt lukrativere und interessantere Posten, die man anstreben kann.“ Er haben sich jedoch nicht vor der Verantwortung „wegducken“ wollen. Und auch vom Land Brandenburg, welches das Vorschlagsrecht für den Posten gehabt habe, sei keine andere Lösung angeboten worden. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte den Posten abgelehnt, nachdem sein Amtsvorgänger Matthias Platzeck ihn im August niedergelegt hatte. Die Landesregierung in Potsdam hat sich unter dem Druck eines erfolgreichen Volksbegehrens verpflichtet, am neuen Flughafen für mehr Nachtruhe zu sorgen - was Berlin bislang ablehnt.

Wowereit hatte das Amt bis zum Januar schon mehr als elf Jahre lang inne. Nach der Absage eines weiteren Eröffnungstermins für den Flughafen im Januar gab Wowereit den Posten als Aufsichtsratschef ab. Platzeck (SPD) übernahm das Amt, bis er es im August nach einem Schlaganfall niederlegte.

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Kosten hoch, Aussicht ungewiss

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  • Da fehlen einem ganz einfach die Worte.
    Politversager fallen immer wieder auf die Beine; nicht
    weg zu bekommen.
    So ist die Welt in Europa und ganz speziell in Deutschland.
    Wenn diese Banditen gewisse Kreise nicht stören (wie z.B. Wulff), dann geht alles von allein, gell.

  • Super, dass es nur 1 Nein Stimme gab. Haben die anderen 12 Kollegen die für Ja Pro Wowi gestimmt haben den Tomaten auf den Augen oder traut sich da keiner Nein zu sagen. Armes Berlin und armer BER wenn es keinen anderen zur Wahl gab als den Wowi der schonmal Jahre lang wegeschaut hat. Und das Beste ist noch, das er gleich wieder so markante Aussagen macht wie dass das Geld ausreicht. Das hat er schonmal gesagt.....

  • Und die Berliner schweigen und nehmen es mehrheitlich hin. Na, die haben aber Eier in der Hose, was ? Zynische Bemerkungen fallen mir reihenweise ein bei diesem Dilettanten-Stadl aus Politik mir ihren hunderten an Änderungsanträgen und Illusionen über das "neue Berlin".
    Steuergelder verschwenden hat eine erlebbare Tradition im "Loch der Republik" Berlin.

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