Condor spart sich zurück in die schwarzen Zahlen, doch der Weg zum erfolgreichen Billigflieger ist noch weit
Ferienflieger kopieren Billigflieger

Die Billigfluggesellschaften Ryanair, Easyjet & Co. steuern immer öfter Urlaubsziele an und stärken damit den Trend zum individuellen Ferientrip. Um nicht abzustürzen, übernehmen die Urlaubsflieger Condor, LTU und Co. das Erfolgsmodell der günstigen Konkurrenz.

OBERURSEL. Der Ferienflieger Condor ist nach harten Jahren wieder im Aufwind. Zu verdanken hat er das Ralf Teckentrup, Airline-Vorstand des Mutterkonzerns Thomas Cook. Der frühere Lufthansa-Bereichsvorstand hat das Geschäftsmodell des Ferienfliegers grundlegend verändert: Er führte den traditionsreichen Markennamen Condor wieder ein (vorher Thomas Cook Airlines), übernahm die Preislogik der Billigflieger und bietet seitdem Flugtickets ab 29 Euro an. Dadurch verringert Condor die Abhängigkeit von der Mutter Thomas Cook und wird für Fluggäste interessanter, die ihre Reisen individuell planen. „Wir werden das Einzelplatzgeschäft zu einer wesentlichen Säule unseres Angebots ausbauen“, sagte Teckentrup. Im nächsten Jahr sollen bereits mehr als 40 Prozent der Tickets im Einzelverkauf abgesetzt werden.

Air Berlin hat diesen Weg vorgezeichnet, auch LTU will im Winter nachziehen und das Preissystem der Billigflieger übernehmen. Branchenexperten halten den Strategiewechsel der Charter-Airlines für notwendig, weil sie gegenüber Billigfliegern immer stärker an Boden verlieren. Nur Hapag-Fly (früher Hapag-Lloyd Flug), die Tochter von Europas größtem Reisekonzern Tui, wird noch ausreichend mit Pauschalurlaubern aus dem eigenen Haus gefüllt und hält am klassichen Geschäftsmodell fest.

„Bevor uns andere kannibalisieren, tun wir das lieber selber“, hatte Teckentrup zu seinem Amtsantritt bei Condor erklärt. Investoren haben jedoch Zweifel, ob die Ferienflieger den Sprung ins hart umkämpfte Billigflug-Business schaffen können: Aktuell gilt Condor unter Finanzinvestoren als Hemmschuh beim avisierten Verkauf von Thomas Cook. Lufthansa und Karstadt Quelle haben angekündigt, den Reisekonzern nach erfolgreicher Sanierung abgeben zu wollen.

Die LTU sucht bereits seit vier Jahren neue Anteilseigner – bisher vergebens. Verhandlungen mit einem Finanzinvestor würden sich „noch Monate hinziehen“, musste ein LTU-Sprecher in dieser Woche zurückrudern – Geschäftsführer Jürgen Marbach hatte zuvor in einem Interview mit der Welt am Sonntag betont, LTU könne schon „in den nächsten Tagen eine Zusage bekommen“.

Die Düsseldorfer Traditionsgesellschaft hält sich seit 2001 nur über eine Restrukturierungsbeihilfe des Landes Nordrhein-Westfalen in der Luft. Die EU-Kommission fordert eine Rückzahlung des Darlehens in Höhe von 100 Mill. Euro bis 2009. Die erste Rate über 30 Mill. Euro soll noch im laufenden Jahr getilgt werden, obwohl das LTU-Sanierungsziel, ab 2004 schwarze Zahlen zu liefern, bis heute nicht erreicht wurde. „Niemand konnte voraussehen, dass sich der Preis für Flugbenzin verdreifachen würde“, sagte kürzlich LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach.

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