Consulting
Berater in Katerstimmung

Noch ist die Krise an den großen Unternehmensberatern vorbeigegangen. Die letzten Monate des Jahres 2008 liefen unerwartet gut. Dennoch herrscht in der Branche eher Katerstimmung statt Champagnerlaune. Nach einem Boomjahr brechen große Projekte weg. Nur die Restrukturierer können sich freuen.

DÜSSELDORF. Grund für die getrübte Stimmung bei den Beratern sind Entscheidungen wie jüngst von Siemens-Chef Peter Löscher. Er lässt Beraterverträge mit Externen auslaufen. Stattdessen wollen sich die Münchener auf den Rat ihrer hauseigenen Beratung Siemens Management Consulting mit fast 200 Beratern stützen.

Der Wegfall des Siemens-Etats in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe trifft vor allem die Großen der Branche – auch wenn die Betroffenen beschwichtigen und erklären, weiterhin Aufträge von Siemens zu bekommen. Vergibt doch der Vorstand mit Sondergenehmigung kurze Projekte, die sich innerhalb eines Jahres auszahlen.

In der Rezession geht der Trend ohnehin zu kürzeren Projekten, die den Industrieunternehmen schnell Cash bringen. Das bestätigt August Joas, Geschäftsführer von Oliver Wyman: „Kunden fahren vor allem Projekte um Kosten zu senken und Strukturen zu verbessern.“ Gefragt sind also jetzt Restrukturierer und Sanierungsexperten mit Praxiserfahrung in der Industrie.

Davon profitieren Beratungen wie Roland Berger, denen der Ruf des Restrukturierers anhaftet. „2008 war ein gutes Jahr für uns. Selbst im vierten Quartal war der Auftragseingang ungebrochen positiv“, heißt es bei der zweitgrößten deutschen Strategieberatung. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Lünendonk lag Bergers Honorarumsatz 2007 bei 365 Millionen Euro. Berger selbst nennt nur weltweite Zahlen – und diese erst im Frühjahr.

Vorhersagen wagt Berger zur Zeit ohnehin nicht: „Wir sind vorsichtig optimistisch, aber genaue Prognosen wären Kaffeesatzleserei.“ Doch als einer der wenigen Berater will Roland Berger auch 2009 genauso viele Berater einstellen wie im Vorjahr, nämlich 150.

Über den gesamten Beratermarkt betrachtet sieht die Lage nicht so gut aus. „Die ersten acht Monate 2008 sind für die meisten hervorragend gelaufen, bestätigt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensführung an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg. „Im vierten Quartal aber kam der Einbruch.“ Eigentlich müssten Berater in dieser tiefgreifenden Krise gefragter sein denn je. Doch viele Unternehmen treten seit Oktober auf die Kostenbremse – und haben Projekte mit Externen auf das Nötigste reduziert. Dazu zählen auch Konzerne wie Henkel oder SAP.

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