Container-Schifffahrt
Hapag-Lloyd-Eigner wollen Rettungspaket schnüren

Die angeschlagene Hamburger Reederei Hapag-Lloyd kann auf Rettung hoffen. Die Gesellschafter wollen dem Konzern das Überleben sichern – und ein Rettungspaket zusammenstellen. Über die Hintergründe eines geplanten Kraftaktes.

DÜSSELDORF. Die Gesellschafter der in Not geratenen Hamburger Reederei Hapag-Lloyd wollen mit einer Kapitalspritze dem weltweit fünftgrößten Containerschiffsanbieter das Überleben sichern. Konkrete Kapital- und Finanzierungsmaßnahmen müssten aber zuvor kurzfristig von den Gremien der Anteilseigner beschlossen werden, hieß es gestern nach einer Krisensitzung in der Konzernzentrale am Ballindamm.

„Es gibt bei den Gesellschaftern ein gemeinsames Verständnis, helfen zu wollen“, sagte ein Tui-Sprecher. In ein bis zwei Wochen solle der Rettungsfahrplan stehen und dann verabschiedet werden. Der Reisekonzern Tui hatte im Frühjahr 57 Prozent von Hapag-Lloyd an das Konsortium Albert Ballin, bestehend aus der Stadt Hamburg und weiteren Investoren, verkauft.

Die Reederei war wegen der Finanzkrise nach mehreren Boomjahren seit dem Spätherbst 2008 in die Krise gefahren. Im ersten Quartal 2009 war von Tui ein Verlust von 222 Mio. Euro bilanziert worden. Den anhaltenden Einbruch in der weltweiten Schifffahrt konnte Hapag-Lloyd auch nicht mit einem harten Sparkurs ausgleichen. Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, der 15 Prozent der Reederei hält, hatte die Probleme des Konzerns letzte Woche öffentlich gemacht und Staatshilfen gefordert. Kühne blieb dem gestrigen Treffen fern, berichteten Gesellschafter.

Unterdessen wachsen in der Schifffahrt die Hoffnungen, den seit Monaten anhaltenden Verfall der Frachtraten stoppen zu können. Die Durchschnittspreise für den Container-Transport von und nach Übersee waren in der Welthandelskrise von 2 000 US-Dollar auf rund 300 Dollar gesunken. Mehrere Reedereien haben nun angekündigt, die Preise erhöhen zu wollen. Das ist allerdings nicht der erste Anlauf in dieser Sache.

Bisher hatten die Unternehmen – unter ihnen die großen deutschen Linienreeder Hapag-Lloyd und Hamburg Süd – ihre Ankündigungen nicht am Markt durchsetzen können. Angesichts rapide steigender Überkapazitäten beim Schiffsraum leisteten sich die Reeder einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb mit Preisdumping. „Das dürfte nun vorbei sein“, hofft ein Sprecher von Hapag-Lloyd. „Inzwischen haben wohl alle begriffen, wie schlecht es ihnen geht. Jetzt stehen die Chancen gut, die Raten durchsetzen zu können.“ Ähnlich sieht das die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten. Geschäftsführer Klaus Bültjer: „Die Industrie wäre wohl bereit, höhere Raten zu zahlen. Ich kann den Reedern nur empfehlen: Hebt die Preise an.“

Auch das „Transpacific Stabilization Agreement“ (TSA) – ein Zusammenschluss namhafter Container-Reedereien mit Liniendiensten zwischen Asien und Amerika, zu denen auch Hapag-Lloyd gehört – hat seinen Mitgliedern gestern empfohlen, die Frachtraten für 40-Fuß-Container im Pazifik um 500 Dollar zu erhöhen.

Spekuliert wird in der Branche auf den Beginn des Weihnachtsgeschäftes, das in den vergangenen Jahren hohe Kapazitäten für die Verkehre zwischen Asien und Europa erforderlich machte. Schifffahrtsexperte Bültjer warnt allerdings vor zu großem Optimismus. Das grundsätzliche Problem der in den Boomjahren angeschafften Überkapazitäten sei keinesfalls aus der Welt. Ein dafür ausreichendes Transportmengen-Wachstum bleibe vorerst Illusion.

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