Container-Schifffahrt
Schifffahrt: Maersk mit Verlust – und Hoffnung

Der dänische Schifffahrts-Riese Møller-Maersk kann sich der Wirtschaftskrise nicht entziehen. Die größte Containerschifffahrtsreederei der Welt ist in die roten Zahlen gerutscht. Dennoch stehen die Flaggen in Kopenhagen nicht auf Halbmast – und das, obwohl die Branche in einer schweren Krise steckt.

HB KOPENHAGEN. Nein, auch der große dänische Riese der Schifffahrtsindustrie kann sich dem weltweiten Wirtschaftsabschwung nicht entziehen. Der dänische Schifffahrts- und Ölkonzern A.P. Møller-Maersk mit insgesamt 470 Schiffen und einem Frachtvolumen von 1,9 Millionen Containern (TEU) ist im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht. Im Berichtszeitraum habe der Verlust umgerechnet 406 Mio. Euro betragen nach einem Gewinn von 1,6 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen mit. Damit fiel der Fehlbetrag etwas höher aus als von Analysten vorhergesagt, was an der Börse in Kopenhagen aber nicht für negative Reaktionen sorgte. Bereits im März hatte Maersk wegen der sehr schlechten Perspektiven im Containergeschäft einen deutlich niedrigeren Gewinn für 2009 angekündigt.

Zu Jahresbeginn hatte der zweitgrößte Logistikkonzern der Welt gewarnt, das Energiegeschäft werde durch den gefallenen Ölpreis belastet. Die zum Konzern weltgrößte Container-Reederei Maersk Line habe unter dem schwachen Welthandel gelitten. Die Frachtraten sind Anfang des vergangenen Jahres abgestürzt, die Nachfrage eingebrochen.

Für Schiffe mit einer Frachtkapazität von 4400 TEUs (Standardcontainern) ist die durchschnittliche Charterrate für einen Tag bei einem Charterzeitraum von sechs bis 12 Monaten von gut 34000 Dollar im Jahr 2007 auf heute 8700 Dollar abgestürzt. Die Folgen sind nicht nur bei Maersk spürbar: Laut Berechnungen des Beratungshauses Clarksons liegen zehn Prozent der Container-Weltflotte leer auf Eis. Das Beratungsunternehmen AXS Alphaliner hatte Anfang des Jahres noch von weltweit mehr als 300 Schiffe mit einem Volumen von 800 000 TEU ohne Beschäftigung gesprochen - also 6,5 Prozent der gesamten Flotte. Die Lage hat sich seitdem also verschlimmert. Nach einem Bericht der New York Times lagen zeitweise Hunderte von leeren Frachtschiffen vor der Küste von Singapur. Und die Experten von Clarksons gehen nicht davon aus, dass der "perfekte Sturm", in dem die Schifffahrt fest steckt, so schnell verschwinden wird.

Noch Ende des vergangenen Jahres war bei Maersk von dem Unwetter nichts zu sehen gewesen. In der Bilanz der ersten neun Monate des dänischen Energie- und Reedereikonzerns A.P. Møller-Maersk war ein um 22,6 Prozent auf 17,7 Milliarden Kronen (2,4 Milliarden Euro) gesteigerter Gewinn ausgewiesen gewesen. Grund: die lange Zeit hohen Ölpreise und immer noch hohe Frachtraten. Die Møller-Maersk-Gruppe stehe bemerkenswert robust da, hatten etwa Experten des Fachblattes Lloyds List festgestellt. Wobei Eivind Kolding, Chef der Reederei Maersk im Konzern A.P. Møller-Maersk, bereits im Oktober darauf hingewiesen hatte, dass jeder Container auf der Reise von Asien nach Europa von den Schifffahrtslinien mit 1000 Dollar subventioniert werden müsse.

Dass dies auf Dauer nicht für alle Schifffahrtsunternehmen gut ausgehen wird, ist absehbar. Clarksons bestätigte im jüngsten Marktbericht die Einschätzung, dass nicht alle Marktteilnehmer überleben werden. Dieses Schicksal dürfte Maersk wohl kaum treffen - auch wenn das Unternehmen nach eigenen Prognosen im zweiten Halbjahr mit einem Ergebnis auf einem ähnlich niedrigem Niveau wie in den ersten sechs Monaten rechnet.

In Kopenhagen zogen die Aktien des Schifffahrt-Konzerns dennoch leicht an, nachdem der Konzern seinen Halbjahresbericht vorgelegt hatte. Papiere von A.P. Møller-Maersk verteuerten sich zeitweise um 2,73 Prozent auf 33.900 dänische Kronen. Ein Grund: Moeller-Maersk-Geschäftsführer Nils Smedegaard Andersen sieht die Weltwirtschaft vor einer Trendwende zum Besseren - und rechnet daher auch wieder mit steigenden Frachraten.

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