Containerreederei von Tui
Vier Mrd. Euro für Hapag-Lloyd geboten

Über vier Milliarden Euro sind geboten: Diesen Betrag will das Hamburger Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne für Hapag-Lloyd, die Containerreederei des Reisekonzerns Tui, ausgeben. Experten zu Folge ist die Summe wenig aussagekräftig, Tricksereien beim Preisschild wahrscheinlich.

HB FRANKFURT. Der Reisekonzern Tui kann auf Gebote von über vier Mrd. Euro für seine Containerreederei hoffen. Das Hamburger Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne biete für Hapag-Lloyd etwas mehr als diesen Betrag, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag. Bei der genannten Summe handele es sich um den Firmenwert samt Schulden. Die Hamburger Bieter hätten mit Hilfe der Stadt und der HSH Nordbank zwei Mrd. Euro Eigenkapital eingesammelt. Ein Sprecher der Investorengruppe lehnte ebenso wie Tui eine Stellungnahme ab.

Branchenexperten erklärten allerdings, die Summe von vier Mrd. sei wenig aussagekräftig. "Bislang ist unklar, wieviel Schulden Hapag-Lloyd mitbekommt", sagte LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann. Zudem sei ungewiss, ob die rund 500 Mill. Euro teuere Hapag-Immobilie in Hamburg Teil der Verkaufsmasse sei. Auch Tricksereien beim Preisschild halten Experten für wahrscheinlich. "Tui will gerne ein optisch hohes Angebot haben", sagte equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. "Ich kann mir vorstellen, dass in den Kaufvertrag Klauseln hineingeschrieben werden, die beim Erreichen bestimmter Ziele Nachzahlungen erforderlich machen." Diese Zahlungen könnten in den Kaufpreis eingerechnet werden. Er wirke höher, auch wenn die Summe möglicherweise nicht erreicht wird.

Unterdessen bestätigte auch der konkurrierende Bieter Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur die Abgabe einer Offerte. Einzelheiten nannte das zu zwei Dritteln in Besitz des Staatsfonds Temasek aus Singapur befindliche Unternehmen nicht. Branchenexperten gehen davon aus, dass NOL einen höheren Preis bieten kann als die Hamburger Investoren, da die Reederei aus einem Zusammengehen große Synergien ziehen könnte. NOL hat sich bislang noch nicht konkret zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten geäußert. Hamburgs Ex-Finanzsenator Wolfgang Peiner, der zu den Initiatoren der Hamburger Bietergruppe gehört, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Sollte NOL den Zuschlag bekommen, wird es zu einem Kahlschlag bei Hapag-Lloyd in Hamburg und in vielen Niederlassungen kommen." Tui will bis Mitte Oktober über den Verkauf entscheiden. Der und Konzern seine Investmentbanken prüfen derzeit die Angebote - und versuchen vermutlich, noch Aufschläge rauszuholen. Tui hatte angekündigt, sich bei der Erteilung des Zuschlags allein von der Höhe des Gebots leiten zu lassen. Der hannoversche Konzern steht unter dem Druck seiner Großaktionäre. Vor allem der streitbare norwegische Reeder John Fredriksen, auf dessen Druck hin Tui den Hapag-Verkauf angestoßen hatte, dringt auf eine hohe Ausschüttung nach dem Verkauf.

Unter Branchenexperten gilt aber weiterhin als möglich, dass Tui den Verkauf abbläst und abermals eine strategische Kehrtwende vollzieht. "Ich denke, die Chancen für einen Verkauf sind sehr gering, weil die ursprünglichen Preisvorstellungen womöglich nicht eintreffen", sagte Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment. Hintergrund sei der Rückgang der Frachtraten angesichts der sich abkühlenden Konjunktur. Um seine immense Verschuldung zu drücken, könne sich Tui auch von anderen, kleineren Bereichen trennen.

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