Containerschifffahrt
Keine rasche Erholung der Charterraten

Die Deutsche Bank rechnet angesichts der hohen Überkapazitäten nicht mit einer raschen Erholung der Charterraten. Die Kapazitäten dürften im laufenden Jahr wachsen und einen neuen Rekordwert ansteuern.
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Die Kapazitäten dürften im laufenden Jahr abermals um neun bis zehn Prozent zum Vorjahr wachsen und damit einen neuen Rekordwert ansteuern, prognostizierte Ralf Bedranowsky, Co-Chef von Deutsche Shipping, der Schiffsfinanzierungssparte der Deutschen Bank, am Montag in Hamburg. Besonders stark sei der erwartete Zuwachs bei Containerriesen mit Platz für mehr als 10.000 Standardboxen (TEU). Die Nachfrage nach Schiffskapazitätenwerde mit fünf bis sieben Prozent langsamer wachsen als das Angebot.

Im Gegensatz zu den Frachtraten dürfte der Druck auf die Vermietraten anhalten. „Dass eine Erholung der Charterraten infolge des erhöhten Frachtratenniveaus zügig eintritt, sehe ich noch nicht“, sagte Bedranowsky. Vor der Finanzkrise waren die Charterraten den Transportraten mit Verzögerung gefolgt. In der Branche wird aber auch für 2013 mit schwierigen Geschäften für die Trampreeder gerechnet, die Schiffe an Containerlinien verchartern.
Deutschlands größte Containerlinie Hapag-Lloyd hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass der Preiskampf um Marktanteile in der Schifffahrt beendet ist. Die Hamburger hatten die Wende nach eigener Darstellung durch eine Erhöhung der Frachtraten Anfang März selbst eingeleitet. Eine weitere Preiserhöhung hat die Traditionsreederei für Anfang April angekündigt. Hapag-Lloyd setzt verstärkt auf eigene Schiffe, da diese billiger sind als angemieteter Frachtraum.

Wegen der hohen Transportkosten müssen auch andere Linienreedereien jede Möglichkeit für Einsparungen nutzen und mieten weniger Schiffe an. Im fünften Krisenjahr in der Schifffahrt beobachtet die Deutsche Shipping einen Umbruch im Markt für Finanzierungen. Während etablierte Schiffsfinanzierer ihr Engagement tendenziell abbauten, träten neue Marktteilnehmer „mit bemerkenswertem Engagement“ auf. Die Deutsche Bank
beobachte, dass Banken „mit breitem und tiefem Zugang zu US-Dollar-Refinanzierungsquellen“ verstärkt im globalen Schiffsfinanzierungsgeschäft aktiv seien. Dabei handele es sich sowohl um Institute aus den USA und Asien als auch aus Europa - außerhalb Deutschlands. Im Inland dagegen verringern mehrere Banken ihr Schiffsfinanzierungsgeschäft: Die HSH Nordbank muss dies auf Druck der EU tun, die Commerzbank begreift Schiffsfinanzierungen nicht mehr als Kerngeschäft. Die größere DVB Bank hatte unlängst die Deutsche Shipping, die norwegische DnB, die schwedische Nordea und die in Großbritannien ansässige StanChart als einzige echte Konkurrenten bezeichnet. Auch die italienische Bank UniCredit zieht sich allmählich aus der Schiffsfinanzierung zurück. Ihr eigenes Geschäft sieht die Deutsche Shipping weiterhin als ertragreich an und hat auch keine Pläne, es zu verringern. Das Ergebnis sei „unverändert ansehnlich“, sagte Bedranowsky. Die Bruttozinsmarge habe im vergangenen Jahr bei 3,5 Prozent gelegen. Nähere Angaben zum Gewinn machte er nicht.

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