Coup in der Schaumwein-Branche Sektkellerei Henkell kauft spanischen Cava-Hersteller Freixenet

Die deutsche Sektkellerei Henkell übernimmt nach zähen Verhandlungen den spanischen Cava-Hersteller Freixenet. Der kämpft mit geringen Margen.
Update: 17.03.2018 - 15:02 Uhr Kommentieren
Mit der Übernahme des spanischen Cava-Herstellers Freixenet will die deutsche Sektkellerei zum Weltmarktführer bei Schaumwein werden. Quelle: dpa
Sektkellerei Henkell

Mit der Übernahme des spanischen Cava-Herstellers Freixenet will die deutsche Sektkellerei zum Weltmarktführer bei Schaumwein werden.

(Foto: dpa)

MadridFür ihren jüngsten Zukauf brauchten die Deutschen einen langen Atem: Fast zwei Jahre lang hat die Oetker-Tochter Henkell mit den Eigentümern des Cava-Produzenten Freixenet verhandelt. Jetzt ist der Kaufvertrag endlich unterschrieben: Henkell erwirbt 50,67 Prozent an dem katalanischen Schaumweinproduzenten und wird damit zum Hauptaktionär.

Zu dem Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Laut der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ zahlt Henkel für seine Anteile 220 Millionen Euro.

Der Cava (katalanisch für Sekt) war in den 70er Jahren noch nahezu unbekannt. Durch ständige Innovationen und die starke Internationalisierung von Freixenet ist er inzwischen in der ganzen Welt bekannt. Cava unterliegt ähnlichen Qualitätsanforderungen wie Champagner, ist wegen der billigeren Reben aber deutlich preiswerter.

Das ist die Luxus-Welt von LVMH
Milliardär und Luxus-Boss
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Seit 1989 ist er Vorstandschefs des Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton: Bernard Arnault. Auf den Chefsessel gelangte der Milliardär, indem er die Mehrheitsanteile an LVMH erwarb und sich kurzerhand selbst als Präsident einsetzte – gegen den Willen der Vuitton- und Hennessy-Familienmitglieder.

Moët & Chandon
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Erst zwei Jahre zuvor war der Konzern 1987 durch eine Fusion der Unternehmen Louis Vuitton und Moët Hennessy entstanden. Moët Hennessy wiederum entstand selbst erst 1971 aus einem Zusammenschluss des Champagnerherstellers und Marktführers Moët & Chandon (seit 1743) und ...

Hennessy
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... dem ebenfalls französischen Cognac-Brenner Hennessy, gegründet 1765.

Dom Pérignon
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Neben weiteren Champagnermarken gehört auch der berühmte Dom Pérignon zu Moët & Chandon. Seine Bekanntheit verdankt die Marke unter anderem durch wiederholte Auftritte in James-Bond-Filmen.

Château d’Yquem
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Auch Weine gehören selbstverständlich zum exklusiven LVMH-Portfolio. Das Weingut Château d’Yquem im Bordeaux ist dabei gleichzeitig die älteste Marke des Konzerns, seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1593 zurück. Auch der laut Kritikern beste Sauvignon Blanc der Welt, der „Cloudy Bay“ aus Neuseeland, ist mittlerweile ein LVMH-Produkt.

Glenmorangie, Ardbeg und weitere Spirituosen
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Rum, Wodka, chinesischer Schnaps: Das LVMH-Spirituosenangebot ist breit aufgestellt. Auf dem Whiskeymarkt sind die Franzosen seit 2004 mit der schottischen Single-Malt Marke Glenmorangie und dem zu Glenmorangie gehörenden Ardbeg vertreten.

Louis Vuitton
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Flagschiff im Modegeschäft ist selbst verständlich Louis Vuitton – es wird geschätzt, dass die 1854 in Frankreich gegründete Marke etwa 25 Prozent des LVMH-Umsatzes ausmacht. Weitere Marken im Modegeschäft sind beispielsweise Givenchy, Céline oder auch Edun – die Modemarke des irischen Musik-Superstars Bono. 2016 kaufte LVMH...

Die Spanier haben schwierige Jahre hinter sich. Die Eigentümer-Familien ärgerten sich über die sinkende Rentabilität des Unternehmens, das zwei Jahre lang keine Dividende zahlte. Zuletzt ging es jedoch bergauf: Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im April 2017 endete, vervierfachte sich der Gewinn auf 8,4 Millionen Euro. Gemessen am Umsatz von 535,1 Millionen Euro ist das aber immer noch eine magere Rendite.

Henkell ist etwas größer als die Spanier – 2016 lag der Umsatz der Wiesbadener bei 691 Millionen Euro. Als Tochter des Lebensmittelriesen Dr. Oetker hat Henkell aber einen größeren finanziellen Spielraum. Die beiden Unternehmen steigen gemeinsam zum weltweit größten Schaumweinhersteller auf. Sie ergänzen sich geographisch gut. Die Spanier sind vor allem in Südamerika stark, während die Deutschen in Europa und Osteuropa besonders gut vertreten sind.

Henkell könnte sich durch die Übernahme zudem auf seinem Heimatmarkt verstärken. Deutschland ist Freixenets größter Absatzmarkt, der rund ein Drittel des gesamten Umsatzes ausmacht. 83 Prozent ihrer Produktion verkaufen die Katalanen im Ausland, in insgesamt 109 Länder.

Der Cava-Kauf hat sich so lange hingezogen, weil die drei spanischen Eigentümerfamilien von Freixenet uneins waren, ob sie den Schritt wagen sollten. Die Familien besitzen ein Vorkaufsrecht. Ein Stamm wollte zwar die Mehrheit selbst übernehmen, konnte aber nicht die nötige Finanzierung sichern.

Auch die Katalonien-Krise war nicht hilfreich für den Verkaufsprozess. Die Region hat einen heißen Herbst hinter sich, in dem die separatistische Regierung in Barcelona ein illegales Unabhängigkeitsreferendum abhielt und anschließend die unabhängige Republik Katalonien ausrief. Die Konzerne der Region fürchteten, dass Katalonien aus der EU fliegt, falls die Unabhängigkeit tatsächlich anerkannt würde.

Für Freixenet, dessen Weinberge größtenteils in Katalonien liegen, ist eine EU-Mitgliedschaft der Region entscheidend. Wäre Katalonien nicht mehr in der EU, fielen Zölle an.

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