Craft Beer und Mikrobrauereien
Braukunst für die Nische

Bier ist Massenprodukt. Beim in Kleinmengen gebrauten Craft Beer steht Abwechslung im Vordergrund – und der kreative Umgang mit dem Reinheitsgebot. Wirtschaftlich zu holen gibt es bei dem Trend bisher aber noch wenig.

DüsseldorfDeutschland trinkt weniger Bier. Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch 2014 gegen den Langzeittrend wieder leicht von 106,6 Liter auf 106,9 Liter jährlich gestiegen ist, so das Statistische Bundesamt, auf zehn Jahre gesehen nehmen Absatz und Verbrauch kontinuierlich ab. Inzwischen haben die einstigen Bierweltmeister, also die Deutschen, einen jährlichen Rückstand von rund 30 Liter pro Kopf auf den Spitzenreiter Tschechien.

Dass das Bier ausgerechnet in Deutschland schwächelt, ist eine Überraschung. Denn galt deutsches Bier sehr, sehr lange Zeit als höchster Qualitätsmaßstab. Zu verdanken ist das maßgeblich dem Reinheitsgebot, was am 23. April offiziell 500 Jahre alt wird. Hopfen, Malz, Hefe, Wasser – mehr darf laut Bayerischer Landesordnung von 1516 nicht drin sein im Gebräu. Doch während in kleinen Brauereien um diese Zutaten überraschen vielfältige Rezepturen kreisen, herrscht in den Supermarktregalen die Massenproduktion vor. Das schmeckt vielen, aber nicht allen, Tendenz fallend.

Leichtbiere und Mixprodukte scheiterten als Heilsbringer der Brauereikonzerne. Die erhofften Zielgruppen, junge Menschen und Frauen, weigerten sich, die Erwartungen zu erfüllen. Gerade für die Großbrauereien geht es darum, den Absatz hochzuhalten und die Preise möglichst stabil. Die Kombination aus steigenden Rohstoff- und Produktionskosten sowie schwindenden Durst hat sich zur Herausforderung für die Branche entwickelt.

Die beiden weltgrößten Produzenten, AB Inbev und SAB Miller, feierten Ende vergangenen Jahres eine Elefantenhochzeit, die dem Konglomerat mit Marken wie Beck’s, Pilsener Urquell, Corona oder dem WM-Bier Brahma die Marktmacht sichern würde. Es ist keine Liebeshochzeit, Miller versuchte sich der Übernahme zu entziehen und sucht seinerseits, Heineken zu schlucken. Am Ende flossen über 100 Milliarden Dollar von Inbev in Richtung SAB. Größe um jeden Preis, Ein Beweis dafür, wie gesättigt der Getränkemarkt mit populären Biersorten ist.

Doch im Schatten der absatzstarken Brauereien blüht eine eigene, kleinere Bierbrauerszene. Eine Szene, die meist  unter dem Etikett „Craft Beer“ zusammengefasst wird, auch wenn es bei weitem nicht allen Definitionen und Herstellungsweisen gerecht wird. Der buchstäblich kleinste gemeinsame Nenner: der Begriff Mikrobrauerei. Und selbst der trifft gerade in Deutschland nicht immer zu.

Es geh um in verhältnismäßig kleinen Chargen hergestelltes, qualitativ und preislich hochklassiges Bier. Und es erobert zusehends Marktanteile. In den USA, wo es inzwischen tausende der zumeist kleinen Brauereien gibt, hat Craft Beer inzwischen einen Anteil von gut elf Prozent.

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