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Zwei Drittel der Schlecker-Filialen stehen leer

Crowdsourcing-Ergebnis
Zwei Drittel der Schlecker-Filialen stehen leer

Wie „kreative Zerstörung“ in Deutschland läuft: Ein Jahr nach der Pleite sind Döner-Läden, Matratzenhändler und Discounter in Ex-Schlecker-Filialen eingezogen. Doch der größte Teil der Drogeriemärkte steht leer.
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DüsseldorfEin Jahr nach der Insolvenz der Drogeriemarkt-Kette Schlecker stehen etwa 3700 der zuletzt 5500 deutschen Filialen des Unternehmens leer. Das geht aus einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) für Handelsblatt Online hervor. Die Hochrechnung basiert dabei auf Informationen zu mehr als 500 Filialen, die Handelsblatt-Online-Leser gesammelt haben. Schlecker hatte am 23. Januar 2012 Insolvenz angemeldet.

„So viele Handelsflächen sind noch nie auf einen Rutsch auf den Markt gekommen“, beschreibt Michael Voigtländer, Immobilien-Experte des IW Köln, die außergewöhnliche Situation nach der Schlecker-Insolvenz. Für die Analyse verglich der Ökonom die Lage der Filialen mit Daten zur wirtschaftlichen Situation der einzelnen Gemeinden wie der Arbeitslosigkeit und der Bevölkerungsentwicklung.

„Schlecker-Filialen in belebteren Einkaufsstraßen konnten leichter wiedervermietet werden“, so Voigtländers Urteil. Die gesammelten Informationen zeigen etwa, dass beliebte Einkaufsstraßen in Köln eine hohe Wiedervermietungsquote haben. Allerdings hänge auch viel von den individuellen Merkmalen der Läden ab, so Voigtländer. Viele Vermieter etwa berichten, dass die oft nur 200 Quadratmeter großen Drogerie-Filialen für andere Ketten schlicht zu klein und damit unattraktiv seien.

Ein Jahr nach der Insolvenz des Unternehmens sind etwa 42 Prozent der 23.400 arbeitslos gemeldeten Mitarbeiter in neue Jobs vermittelt. Die Arbeitsagenturen haben darüber exakt Buch geführt. Die Handelsblatt-Online-Redaktion hatte zusätzlich herausfinden wollen, welches Schicksal den Geschäften drohte – dazu gab es keine zentrale Erfassung von offiziellen Stellen oder dem Insolvenzverwalter.

Die Insolvenz war einmalig, da deutschlandweit alle Geschäfte tatsächlich geschlossen wurden, ohne dass sich zunächst auch nur für einen Teil ein Investor oder ein Fortführungskonzept gefunden hätte. Wir hatten daher überprüfen wollen, wie sich die Theorie der „kreativen Zerstörung“ des Ökonomen Joseph Schumpeter in der Praxis darstellt. Schumpeter sagt: Alte Wirtschaftsstrukturen gehen zugrunde, um neuen Platz zu machen. Diese Entwicklung sei zentraler Bestandteil der Wirtschaftsordnung.

„Das Beispiel Schlecker zeigt, dass ein solcher Erneuerungsprozess länger dauert, als es in der Ökonomie oft angenommen wird“, urteilt Voigtländer. Die Bilanz fällt tatsächlich ernüchternd aus: Es gibt zwar neues Leben, aber nicht in großem Maßstab. Vor allem Einzelunternehmer haben sich eingemietet: Döner-Läden, Schreibwarengeschäfte, Fahrradläden. Die Begeisterung großer Ketten für die Geschäfte war gering. Vor allem die Konkurrenz mied die Ladenlokale. Bei Rossmann kamen allerdings 2.000 ehemalige Schlecker-Mitarbeiter unter. Die Drogeriekette dm übernahm bis Oktober 800 Beschäftigte.

Filialen eingrenzen
PLZ beginnt mit:

Der Textildiscounter KiK mietete sich Handelsblatt-Online-Informationen zufolge bislang in zehn ehemalige Schlecker-Filialen ein. Doch die trugen zuvor alle den Namen „Schlecker XL“ und hatten also mehr Fläche als die typischen Schlecker-Filialen, die es vor allem auf dem Land gab. Der Exodus der Drogeriemarkt-Kette aus den kleinen Läden führte etwa im sauerländischen Arnsberg mit etwa 75.000 Einwohnern dazu, dass es nur noch einen Drogeriemarkt in der Stadt gibt – statt zuvor fünf.

Seite 1:

Zwei Drittel der Schlecker-Filialen stehen leer

Seite 2:

„Dayli“ könnte 600 weitere Filialen retten

Kommentare zu "Zwei Drittel der Schlecker-Filialen stehen leer"

Alle Kommentare
  • "Zwei Drittel der Schlecker-Filialen stehen leer"
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    Na sowas aber auch.

    Und kein Mitglied der Schlecker Familie wird wegen Konkursverschleppung oder Insolvenzbetrug angeklagt.

    Ja, diese gewisse Beißhemmung hätte man der Familie Schlecker im Umgang mit ihren Angestellten auch gewünscht.

  • 1.) Da, wo sich die Läden befanden, wundert es mich nicht, dass dort kaum einer mietet. Das ist ja auch einer der Gründe der Insolvent.

    2.) Die Insolvent war das Ende von Schlecker. Aber begonnen hat der Niedergang schon eher. Und mit Beginn des Niedergangs, haben sich andere schon ausgebreitet - mit besseren Konzept für die Kunden, d.h. die Marktwirtschaft hat bestens funktioniert. Nur war das ein schleichender Prozeß und nicht wie im Artikel gemutmaßt eine haarscharfe Aneinanderkettung von Pleite und neuem Lückenfüller.

  • Industriebrache oder Gewerbebrache sind in D offensichtlich noch Fremdwörter. Mal sehen, wie's weitergeht.
    In F jedenfalls ist mondahu schon anderes gewöhnt, nicht gerade auf den Champs-Elysées, aber gleich dahinter geht's schon an, von der banlieue gar nicht zu reden.

  • @betrachter

    So ist es...die Herrschende Klasse wurde doch noch NIE bestraft! So war und ist es im Mittelalter schon immer gewesen!!

  • Bei meiner Mutter im 5000 Seelen Dorf fehlt der Schlecker. Die Leute da haben bis heute keinen Ersatz. In der Stadt mag man ja verwöhnt sein weil man einfach zum nächsten Laden gehen kann.
    Auf dem Dorf war Schlecker oft die einzige Möglichkeit zur Grundversorgung.
    Im Anschluss an die Pleite sind dann auch noch gleich die beiden benachbarten Läden (Bäckerei und Eisverkauf) pleite gegangen. Das Dorfzentrum eine Ödnis.......

  • Marie-Antoinette wurde am 16. Oktober 1793 im coram publico geköpft.
    Ihr Mann, Ludwig XVI., am 21. Januar 1793.

    Beide galten als lebensbejahende freundliche Menschen, die über keinerlei Ahnung über das Leid jener verfügten, das sie ihren Schuitzbefohlenen zugefügt hatten.
    Beide wurden wegen Schulden letztendlich geköpft.

    C'est ca.

    Heute entfachen sie Kriege, um die Völker stillzuhalten und sie zugleich auszubluten.

  • @btw

    "Beide galten als lebensbejahende freundliche Menschen, die über keinerlei Ahnung über das Leid jener verfügten, das sie ihren Schuitzbefohlenen zugefügt hatten."

    Wenn ich die täglichen Popagandameldungen in der Presse lese kommt mir das irgendwie bekannt vor.

  • Wenn die Vermieter nicht so gierig wären, könnte mancher Laden wieder öffnen. Die Vermieter sind aber leider fast alle der Meinung, dass sie den Mietpreis von Schlecker auf dem Markt wieder erzielen. Falsch gedacht. Diese Mietpreise waren für jeden Mieter ein fettes Zubrot von dem heute keiner mehr abbeißt. Wie war das mit der Taube auf dem Dach und dem Spatz in der Hand???

  • Schuld am jetzingen Zustand sind in einem nicht geringen Maß auch die Medien und die "ach so um die Geringverdiener" bemühten Sozialpolitiker. Land auf und ab wurden die "menschenverachtende" Umgangsweise und Bezahlung duch Schlecker angeprangert, teilweise zum Boykott aufgerufen.
    Folge war, dass viele nicht mehr bei Schlecker einkauften.
    Bricht dann dies Firma zusammen wird von ebendiesen Medien und Politikern umso größer das Desaster beklagt.
    Die Zeche zahlen nicht nur die jetzt arbeitslosen Mitarbeiter, sondern auch die Kunden, weil in diesen Randlagen nun kein Drogeriemarkt mehr vorhanden ist und ein Wettbewerber ausgefallen ist.

  • Deutschland leidet an Matratzen- und Dönermangel. Das sind ja sind ja tolle Geschäftsmodelle. Und zuwenig Supermärkte gibt es auch.

    Kein Wunder, daß die alle nur noch 5 Peitschenhiebe in der Stunde verdienen. Willkommen in dr 3. Welt.



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