CVS zahlt 21 Milliarden für Caremark
Pharma-Hochzeit in den USA

Im US-Markt findet eine über 20 Mrd. Dollar schwere Hochzeit zweier Pharma-Schwergewichte statt. Die zweitgrößte US-Drogeriekette CVS übernimmt den Pharma-Großhändler Caremark per Aktientausch.

HB NEW YORK. Die Drogeriekette CVS übernimmt Caremark für 21 Mrd. Dollar in Aktien. Die mit mehr als 5 000 Geschäften zweitgrößte US-Drogeriekette CVS zahlt 1,67 eigene Aktien für je eine Caremark-Aktie. Das teilten die beiden Unternehmen am Mittwoch mit. Das Board des neuen Unternehmens soll je zur Hälfte mit Vertretern beider Unternehmen besetzt werden. Nach Stand vom Mittwoch wurde Caremark an der Börse mit 21 Mrd. Dollar bewertet, CVS kommt auf einen Börsenwert von 25,78 Mrd. Dollar.

Der Zusammenschluss sei eine „logische Weiterentwicklung für CVS, Caremark und die gesamte Pharmaindustrie“, sagte CVS-Konzernchef Tom Ryan. Das fusionierte Unternehmen kommt auf einen Jahresumsatz von rund 75 Mrd. Dollar. Analysten halten den Schritt perspektivisch für sinnvoll, warnten aber vor auch vor hohen Integrationsrisiken: CVS hat im laufenden Jahr bereits zwei größere Pharmahändler an sich gebunden und muss nun seine mit Abstand größte Übernahme schultern.

Der Zusammenschluss der Firmen schafft einen führenden US-Pharmakonzern, der über große Einkaufsmacht sowie ein umfassendes Vertriebsnetz verfügt. Caremark (Umsatz 2005: 33 Mrd. Dollar) ist auf den Großeinkauf rezeptpflichtiger Medikamente für Unternehmens-, Versicherungs- und Behördenkunden spezialisiert. Der Vertrieb der Arzneien wird bisher vor allem über die Post oder über externe Apotheken-Netzwerke organisiert. Die so genannten „Pharmacy Benefit Manager“ (PBM) wickeln in den USA etwa 75 Prozent aller ärztlichen Verschreibungen ab – ein Markt, der laut „New York Times“ jährlich mehr als 250 Mrd. Dollar umsetzt. Caremark ist auf diesem Gebiet führend und hat im Vorjahr allein 530 Mill. Rezepte abgewickelt.

Auch die Drogeriekette CVS (Umsatz 2005: 37 Mrd. Dollar) ist mit ihrem Ableger PharmaCare auf diesem Feld aktiv. Nach einem Jahrzehnt außerordentlich hoher Wachstumsraten warnen Branchenexperten aber vor einem Ende des Geldsegens. Bisher sind PBM-Anbieter prächtig gewachsen, weil sie günstigere Nachahmerprodukte promoten, sie in großen Mengen einkaufen und ihren Kunden – meist Unternehmen oder Behörden – auf diese Weise zu Kosteneinsparungen bei den Gesundheitsplänen verhelfen. Der Preisdruck in der Pharmabranche hat jedoch gewaltig zugenommen, entsprechend mussten die Aktien großer Pharma-Händler im laufenden Jahr empfindliche Einbußen hinnehmen. „Es gibt Anzeichen einer Marktsättigung im PBM-Sektor“, sagte Analyst Christopher McFadden von Goldman Sachs dem „Wall Street Journal“.

Insbesondere Wal-Mart sorgt seit Monaten für Unruhe in der Branche: Mit seinem jüngsten Schritt, 300 Generika-Medikamente in vielen US-Staaten zum Preis von vier Dollar je 30-Tage-Packung anzubieten, wildert der weltgrößte Handelskonzern verstärkt im Revier der Pharma-Spezialisten. Zu den von Wal-Mart angebotenen Medikamenten zählen unter anderem Nachahmerprodukte zur Behandlung überhöhter Cholesterinwerte und von Blutdruckproblemen, Allergien, Asthma, Erkältungen, Infektionen und Diabetes.

Mit der Tiefpreis-Aktion solle sichergestellt werden, dass Kunden und Mitarbeiter die benötigte Arznei zu einem Preis erhalten, den sie sich auch leisten können, hatte Wal-Mart-Konzernchef H. Lee Scott Mitte September betont. Caremark-Aktien verloren seit der Wal-Mart-Ankündigung 17 Prozent an Wert, CVS-Papiere sackten um zehn Prozent nach unten. Die Pharma-Händler müssen fürchten, dass ihnen mit Wal-Mart ein hartnäckiger Konkurrent heranwächst, der sich Marktanteile über Dauertiefpreise erkaufen will.

Mit dem Deal wollen sich CVS und Caremark in eine bessere Ausgangsposition bringen, um dem Druck unter anderem von Wal-Mart standhalten zu können. Ein Gewinnbeitrag sei erstmals im ersten vollen Jahr nach Abschluss der Transaktion zu erwarten, hieß es gestern in einer Pressemitteilung. Die Synergien, die die Unternehmen durch den Zusammenschluss heben wollen, sollen sich auf rund 400 Mill. Euro belaufen.

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