Dänisches Bettenlager
Möbelhändler steht unter der Wachstumsdroge

Erst fanden sich Filialen des Dänischen Bettenlagers nur im Gewerbegebiet, dann in Innenstädten. Nun stößt der Möbelhändler mit 1000 Läden hierzulande an die Grenzen. Wie die Dänen den Onlinehandel aufmischen wollen.

FlensburgDie Möbelkette Dänisches Bettenlager will als Spieler auf dem Online-Möbelmarkt ernst genommen werden – und greift daher Anbieter wie Home24 und Otto.de an. Bislang sind die Dänen Nummer acht in der deutschen Möbelbranche, allerdings fast ausschließlich mit ihren 940 Filialen.

Das Unternehmen wolle seinen E-Commerce-Anteil von derzeit zwei auf 20 Prozent steigern, sagte Deutschland-Chef Ole Nielsen dem Handelsblatt. Das solle innerhalb von nur vier Jahren geschehen. „Unsere Ambition ist, beim Kundenerlebnis zu den Vorreitern zu gehören“, sagt er.

Das Dänische Bettenlager hat dabei zwei große Vorteile: Zum einen betreibt das Unternehmen bereits eigene Logistikzentren. Ein weiteres für 100 Millionen Euro ist kurz vor der Fertigstellung. Aus diesen Lagern will Nielsen künftig verstärkt auch Endkunden beliefern. Zum anderen ist der Händler bundesweit mit eigenen Filialen vor Ort, um die online angebotenen Produkte ganz real zeigen zu können.

Der Gang ins Netz hilft dem Möbelhändler, die eigenen Wachstumsgrenzen zu verschieben. Innerhalb von gut 30 Jahren ist das Filialnetz in Deutschland von nur einer auf fast 1000 Filialen gewachsen. Das bedeutet: Für neue Standorte ist wenig Platz. Daher geht Nielsen bereits über die angestammten Lagen in den Gewerbegebieten am Ortsrand hinaus und hat ein City-Konzept entwickelt. Sieben solcher Filialen gibt es bereits, 80 sollen es werden. Diese nur halb so großen Läden zeigen eine Auswahl des Sortiments – der Rest ist bestellbar, auch über Tablets in den Läden. Das soll die Filialen mit dem Online-Angebot verknüpfen.

Daher rechnet Nielsen mit einer gewissen Kannibalisierung: Die erhofften 20 Prozent Online-Umsatz könnten nicht einfach auf den stationären Umsatz von aktuell 1,024 Milliarden Euro in Deutschland addiert werden, warnte Nielsen. Der Mutterkonzern – die im Jahr 1979 vom Dänen Lars Larsen gegründete Jysk-Gruppe – beziffert seinen weltweiten Umsatz auf 2,94 Milliarden Euro und den Vorsteuergewinn auf 379 Millionen Euro.

Wohin sich der Online-Möbelmarkt entwickelt ist noch unklar. Marktführer Ikea macht erst einen geringen Teil des Umsatzes online. Die aggressive Rocket-Internet-Tochter Home24 als reiner E-Commerce-Anbieter wächst langsamer, erzeugt aber noch immer hohe Verluste.

Der Versender Otto setzt ebenfalls auf Möbel, um den Anschluss an Amazon zu halten. Letztgenannter Online-Händler bearbeitet den Möbelsektor wenig. Doch der Markt der Zukunft wird jetzt verteilt. Der gut 31 Milliarden Euro schwere deutsche stationäre Möbelhandel, der in der Spitze auf Bruttomargen zwischen zwölf und 14 Prozent gekommen sei, gerate unter Druck, analysiert die Beratung e-Tribes in einer aktuellen Studie.

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