Das Deichmann-Imperium: Die Leisetreter

Das Deichmann-Imperium
Die Leisetreter

Gerade erst haben die Kontrolleure über Kinderarbeit in einer asiatischen Fabrik berichtet. Deichmann hat dem betroffenen Partnerbetrieb nun eine Frist gesetzt, um das zu ändern. Sonst wird der Vertrag gekündigt.

Das soziale Engagement Deichmanns schafft zusätzlich Vertrauen. Mit Wort & Tat, einer Entwicklungshilfegesellschaft, finanziert das Unternehmen Kinderheime und Krankenhäuser in Deutschland, aber auch in Afrika und vor allem in Indien. Träger ist die Dr. Heinz-Horst- Deichmann-Sozialstiftung, die in vielen Unternehmen der Gruppe quasi wie eine stille Teilhaberin fungiert und so mit Geld versorgt wird. Jedes Jahr im Herbst fliegt Deichmann senior, der seit 2000 auch Honorarkonsul für das Land ist, mit seiner Frau nach Indien, besucht die Projekte, in die über Wort & Tat schon weit mehr als 50 Millionen Euro geflossen sind. Leprakranken wird genauso geholfen wie Straßenkindern. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Hilfsorganisation „terre des hommes“ bezeichnen die Arbeit des Vereins als „vorbildlich“.

Die Deichmanns müssen deswegen nicht darben. Sie gehören mit einem geschätzten Privatvermögen von 1,2 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Deutschlands. So greifen Reichtum, Barmherzigkeit und Religion ineinander. Die Deichmanns bewegen sich gerne in einer freikirchlich-evangelischen Gemeinde. Heinrich Deichmann sagt: „In unserer Gemeinde stehen die Aussagen der Bibel und die Verkündigung des Evangeliums im Mittelpunkt.“ Regelmäßig nehmen Familienmitglieder an Bibelstunden und Gottesdiensten teil. Arbeiten aber kann in der Firma jeder, „egal, welcher Religion er angehört“.

Von der Fürsorge der Firma Deichmann profitieren auch die Angestellten. Sie werden, das bestätigt die Gewerkschaft Verdi, meist über Tarif bezahlt, weil sie am Umsatz beteiligt sind. Es gibt eine Unterstützungskasse für unverschuldet in Not geratene Mitarbeiter und eine Betriebsrente für Angestellte, die mindestens zehn Jahre dabei sind. Einen einwöchigen Urlaub in der Schweiz zahlt Deichmann auch. Kein Wunder, dass aus dem Betriebsrat kein negatives Wort über die Chefs zu hören ist. „Das ist ein besonderes Unternehmen. Lassen Sie die Leitung mal in Ruhe arbeiten.“ Der Konzern hat etwas Wal-Mart-artiges. Die Belegschaft hält dicht und zusammen.

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