Das einstige Ferienparadies ist zu teuer geworden, die Hoteliers investieren anderswo
Spaniens Hotelketten folgen den Touristen ins Ausland

Die spanische Tourismusbranche leidet. Auf veränderte Reisegewohnheiten wurde nur stark verspätet reagiert, gleichzeitig sorgen hohe Preise für ein Wegbleiben der Touristen. Unterdessen investieren spanische Hotelketten vermehrt in florierende Tourismusländer wie die Türkei und folgen somit ihren ehemaligen Gästen.

HB MADRID. An Spaniens Stränden ist die Krise nicht mehr wegzudiskutieren. In diesem Sommer sind die Einnahmen der Hotels und Restaurants erstmals um über vier Prozent zurückgegangen. Grund: Die rund 53 Mill. Menschen, die das Land jährlich besuchen, geben immer weniger aus. Mit 700 Euro pro Person und Aufenthalt ist der Sektor in diesem Jahr wieder auf das Niveau von 1999 zurückgefallen.

Dass der Strand- und Sonnentourismus zu Euro-Preisen nicht mehr funktionieren würde, war abzusehen. Aber die Spanier erklärten das Wegbleiben der deutschen Touristen und den Rückgang der Gesamteinnahmen des Sektors lieber mit der schlechten Weltwirtschaft und haben damit die Chance verpasst, rechtzeitig die Wende zu schaffen.

Schuld an der Misere sind nicht nur die hohen Preise in Spanien, auch die Reisegewohnheiten haben sich geändert. Immer mehr Touristen ziehen Ferienhäuser als Unterbringung vor und stellen sich ihre Reisepakete individuell zusammen. Die Billigflieger, die inzwischen fast alle größeren Flughäfen des Landes anfliegen, beschleunigen diesen Prozess. Vor allem die kaufkräftigen Deutschen fehlen, stattdessen kommen die weniger liquiden Osteuropäer. Die Gesamtzahl der ausländischen Urlauber ist im ersten Halbjahr 2004 nur um 2,2 Prozent angestiegen, gewohnt ist die heimische Branche aber um die sieben Prozent. Die Türkei, Bulgarien und Tunesien verzeichnen in diesem Jahr zweistellige Wachstumsraten. Der spanische Branchenverband Exceltur rechnet damit, dass der heimische Sektor in diesem Jahr 263 Mill. Euro weniger verdienen werde.

Das ist deswegen dramatisch, weil die spanischen Hotelketten in den vergangenen Jahren ihre Häuser erweitert haben. Experten schätzen, dass 15 Prozent der Betten angesichts der Flaute überflüssig sind. Betroffen sind vor allem die Balearen, die Kanaren und Andalusien. „Kurzfristig werden einige Hotels, vor allem die kleineren, Liquiditätsprobleme bekommen,“ sagt José Guillermo Díaz Montañés, Präsident des Branchenverbandes Confederación Española de Hoteles y Alojamientos Turísticos (CEHAT) voraus. Wer Geld hat, investiert woanders.

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