Das Geschäft mit den Haustieren

Wenn Tierliebe keine Grenzen kennt

Antidepressiva für traurige Katzen oder Kauknochen aus Yakmilch für süße Hunde - Tierliebe kennt keine Krise. Vor allem das Premium-Segment wächst. Da spitzen auch Hersteller wie Melitta oder Bayer schon die Ohren.
  • Christine Mattauch
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Tierliebe kennt keine Krise: Die Heimtierbranche ist ein Wachstumsmarkt in Deutschland. Quelle: dpa

Tierliebe kennt keine Krise: Die Heimtierbranche ist ein Wachstumsmarkt in Deutschland.

(Foto: dpa)

New YorkDer letzte Schrei in New York ist Dickson’s. Der Edelmetzger im Chelsea Market, einer kultigen Einkaufsmeile in Manhattan, verkauft sündhaft teures Biofleisch von Weidevieh aus dem Umland der Metropole. Wie der Herr, so der Hund: Innereien und Schlachtabfälle verarbeitet Jake Dickson mit Gemüse der Saison zu hochwertigem Futter. „Farm to Bowl“, vom Hof in den Napf, nennt er das. Der Preis: 800 Gramm für zehn Dollar. Der Absatz: reißend.

Rund 51 Milliarden Dollar gaben die Amerikaner im vergangenen Jahr aus, um ihre tierischen Mitbewohner zu verwöhnen, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit so gigantischen Zahlen kann die deutsche Branche – ihr Gesamtumsatz lag 2011 bei 3,8 Milliarden Euro – nicht mithalten, doch die Stimmung ist ähnlich. Nämlich gut.

„Die Haustierbranche ist stärker als jemals zuvor“, sagte Andrew Darmohraj, Vizechef des amerikanischen Heimtierindustrieverbands APPA, auf der „Global Pet Expo“. Diese weltgrößte Messe für Heimtierprodukte lockt nach Orlando, Florida. Über 3.000 Produktneuheiten wurden dort dieses Jahr vorgestellt: Antidepressiva für die traurige Katze, künstliche Quallen fürs Aquarium oder ein Hunde-Kauknochen aus Yak- und Kuhmilch.

Während in vielen anderen Branchen die Angst umgeht vor Rezession und Niedergang, ist das Geschäft mit Hund und Katze stabil – als Familienmitglieder werden Haustiere selbst in schlechten Zeiten nicht vernachlässigt. Im Gegenteil: Der Trend geht zu Hochwertigem. „Premium ist eine stark wachsende Kategorie, weil die Menschen das Beste für ihr Tier wollen“, sagt Clarissa Nicklaus, Research-Analystin der Londoner Marktforschungsfirma „Euromonitor.“

Während 2011 der Umsatz mit Hunde- und Katzenfutter in Deutschland insgesamt um zwei Prozent stieg, legte der Absatz von teuren „Snacks“ um das Dreifache zu, so Euromonitor. Futter mit hohem Fleischanteil, bedarfsgerechte Portionspackungen, Edelaccessoires aus feinen Werkstoffen – da kalkulieren Firmen zuweilen sogar mit zweistelligen Zuwächsen.

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36 Kommentare zu "Das Geschäft mit den Haustieren: Wenn Tierliebe keine Grenzen kennt"

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  • Hallo Wolfsfreund,

    ich denke Sie sind schon noch ein ganzes Stück tiefer im Thema drin, dennoch täuscht Sie Ihr Gefühl nicht.
    Für mich sind Hunde keine Plage oder stinkige Köter, sondern ein Bestandteil meines Lebens. Ich züchte zwar nicht und ich brauche auch keinen Hund aus irgendeinem Egodenken heraus oder als Spielzeug oder Zeitvertreib. Für mich ist es jedoch ein Bedürfnis und kein Aufwand mich mit meinen Hunden zu beschäftigen. Ich respektiere den Hund in seinem Wesen (aber nicht weil ich vor ihm Angst habe) sondern weil er mich ebenfalls respektiert. Einfach ausgedrückt ist das wie ein Geben und Nehmen. Nur so kann das Verhältnis Mensch - Hund bzw. Hund - Mensch für meine Begriff funktionieren.
    Wer dieses so erleben und "genießen" will, muss - das haben Sie völlig richtig geschrieben - versuchen den Hund zu verstehen, ihn einfach mit anderen Augen sehen.
    Wenn dies gelingt, dann ist der Hund dem Menschen stets ein treuer Wegbegleiter auf den man sich in allen Situationen verlassen kann und der einen niemals enttäuscht - wie mancher Mensch.

  • @ i2101ag
    Sie scheinen wie ich mehr Hundemensch als Hundebesitzer zu sein... :-) Ich denke mal, daß viele unsere Einstellung zu Hunden und zum Leben schlicht und einfach nicht verstehen. Dazu kommt noch, daß heute Kinder oft geradezu paranoid-hysterisch von allen potentiellen Gefahren ferngehalten werden und Eltern die von der öffentlichen Meinung in manchen Medien geschürte Hundephobie auf ihre Kinder übertragen. Schade, denn unter richtiger Anleitung sind Kinder und Hunde eine feine Kombination. Ich kann mich noch erinnern, daß ich als kleiner, 5-jähriger Bub vermißt und gesucht wurde. Bis zum Finden dauerte es, denn in der Hütte des Hofspitzes hatte keiner nachgeschaut. :-) Auch ging ich, zum Entsetzen meiner (überfürsorglichen (das gab's auch damals schon)) Eltern, völlig selbstverständlich auf Hunde zu (auch noch groß und schwarz), die als gefährlich und bissig galten, und ich kam manches Mal zu spät zur Schule, weil ich mit einer dieser schwarzen "Bestien" unbedingt mein Pausenbrot teilen mußte. Mich hat nie einer gebissen und mich wird nie einer beißen, denn von Klein auf hatte ich einen innigen Draht zu den Pelzgesichtern und keine Spur von Angst. Heute gibt's statt dem selbstverständlichen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen an der frischen Luft bei Wind und Wetter lieber Playstation und Co. und bakterientötende Seife, wenn man so eine "Bakterienschleuder" auf nur versehentlich berührt hat. Das Miteinander von Hund und Mensch geht, bis auf einen kleinen, harten Kern, allmählich verloren.
    Wie auch immer, ich sehe mich als Hundemensch, ein Teil einer uralten Gemeinschaft mit Canis lupus, 2 Wesen, die biologisch nicht verwandt, sich aber ethologisch/soziologisch doch so ähnlich sind...

  • @ Realist

    Sagen Sie mal, können Sie nicht lesen ???? Ich habe nicht geschrieben, dass mein(e) Hund(e) auf dem Spielplatz waren, ich habe geschrieben, dass ich einen Hund und das Kind beobachtet habe - aus guter Entfernung, denn ich mache es wie Wolfsfreund, ich halte mich mit meinen Hunden von Kindern fern.

    Da meine Hunde angeleint sind - aus gutem Grund ! - kommen immer - ich betone: IMMMER - die Kinder auf mich und meine Hunde zu und wollen streicheln.

    Den Rest können Sie aus dem Posting von Wolfsfreund nachlesen, aber ich glaube das wollen Sie sowieso nicht verstehen, denn Sie haben ihre eigene "realistische" Weltanschauung.

  • "Und was haben Hunde unbeaufsichtigt, ohne dass Herrchen eingreift in der Nähe von Kindern zu suchen???"
    --------------------
    Ich halte meine Hunde grundsätzlich von Kindern fern... Nein, falsch formuliert... Ich halte Kinder grundsätzlich von meinen Hunden fern und letztere gehen auch von sich aus Kindern aus dem Weg. Grundsätzlich sind meine Hunde sehr menschenfreundlich, aber es braucht bei einem Kind ja nur eine Schramme von einem freundlichen Pfotentapser (meine Tiere laufen nur auf weichem Untergrund und haben messerscharfe Krallen), dann geht das hysterische Mordgeschrei des Mobs sofort wieder los: Hund greift Kind an und meine Tiere wären die Dummen (Maulkorb- und Leinenzwang oder gar schlimmeres). Wenn also streichelsüchtige Kinder, die in Hunden nur ein Spielzeug sehen, ankommen mit "Hund streicheln will!", heißt's bei mir grundsätzlich "schleicht euch!".
    Übrigens sind die Erwachsenen oft das Problem. Als ich wieder mal einem Kind das Streicheln verwehrte mit dem Hinweis, daß meine Hunde nicht von Fremden angefaßt werden wollen, wurde ich lautstark angepöbelt: "Das Recht meines Kindes, ihren Hund streicheln zu wollen, wiegt ja wohl höher als das ihrer Hunde, nicht angefaßt werden zu wollen!"
    Ein sehr finsterer Blick von mir beendete die Tirade dann auf der Stelle...
    Btw., wenn zu meiner Jugendzeit ein Kind einen Hund geärgert hatte und sich einen Disziplinierungszwicker einfing, gab's obendrein auch noch eine Watschn: "Selber schuld! Man zankt keine Tiere!"
    Heute dürfen Kinder ja ohne jede Grenze grundsätzlich alles, inkl. Tiere zanken und quälen... :-(

  • "Ihre schlaue Vorträge, lieber Wolfsfreund, halten Sie besser beim ortlichen Verein für Deutsche Schäferhunde oder vor Hundebesitzern in den einschlägen Vierteln einer Großstadt. Da kommt das bstimmt gut an."
    -------------
    Denen würde ich einen Vortrag am wenigsten halten, weil sie eh nicht verstehen, was ich zu sagen habe, und jedes Wort nutzlos vergeudet wäre. Wer seinen Hund nur als Ego-Prothese oder Sportgerät sieht, wird sein Wesen ohnehin nie verstehen!

    Und genau das ist der Grund, dass Hunde in Kombination mit ihren Besitzern ein Belästigung bis hin zur Gefahr ist. Gut das Sie selbst die Erkenntnis haben.

  • Was haben Hunde auf einem Spielplatz zu suchen????

    Und was haben Hunde unbeaufsichtigt, ohne dass Herrchen eingreift in der Nähe von Kindern zu suchen???

    Sie, der glaubt er ist ein "guter" hundehalter, machen mich sprachlos!

  • @ Mensch:

    Das möchte ich nochmal aufgreifen:
    "Welche Charakterzüge, wenn es die bei einem Tier wie dem Hund gibt, soll der Mensch sich den abgucken? Treudoof? "
    ------------------
    Meine Hunde sind jedenfalls keineswegs "treudoof". Die Augen sind der Spiegel der Seele und in ihren Augen steht eine hellwache, ihrer selbst bewußte Intelligenz. Ich habe genügend Menschen gesehen, der Blick im Vergleich dazu stupide und leblos ist... :-)

  • @ Realist

    "Im Jahr 2004 wurden in Nordrhein-Westfalen 859 Menschenbeißvorfälle (bei 462.315 Hunden in NRW) amtlich gemeldet."

    Nochmals, ich will hier nicht verharmlosen, aber wenn man nun mal nachrechnet, dann komme ich auf 0,19 %. Das heißt also 0,19 % aller gemeldeten Hunde habe schon mal zugebissen.
    Mathematisch gesehen ist das nun nicht gerade eine Zahl die einen erschrecken lässt. Und wenn man dann wie in meinem Posting zuvor noch nachprüfen würde warum zugebissen wurde (es gab vor dem Hundebiss sicherlich in den meisten Fällen eine Aktion davor die den Hund so reagieren lässt), dann relativiert sich das Ganze ziemlich.

    Ich bin überzeugt davon, wenn ich meine Hunde schlagen würde, wenn ich sie am Schwanz ziehen würde, wenn ich nach Ihnen treten würde etc., dann würden sie genauso eine entsprechende Reaktion zeigen.

    Der Hund kann nunmal nicht mit uns Menschen reden, um seine Empfindungen und Bedürfnisse mitzuteilen. Er tut dies durch entsprechendes äusseres Verhalten. Im positiven wie auch im negativen Sinne.

    Das sollte uns Menschen - egal ob Hundehalter oder nicht - immer wieder bewußt sein. Unsere Kinder können dies (noch) nicht wissen, aber da ist es die Aufgabe von uns Erwachsenen, sie zu schützen damit sie in Ihrer Unkenntnis nicht durch "Fehlgriffe" am Hund zu Schaden kommen.

  • Einen Teil hat "i2101ag" ja schon beantwortet. Viele der "Beißvorfälle" sind das Ergebnis von Tierquälerei oder anderem, grobem Fehlverhalten des Hundehalters!

    "In den letztem 12 Monaten wurden 2 persönlich Bekannte gebissen, der ein vom eigenen Hund."
    -------------------
    Wer vom eigenen Hund gebissen wurde, hat selber schuld, denn das ist das Ergebnis einer schlechten Prägung resp. Erziehung oder anderer sehr grober Fehler. Meine Hunde haben z.B. sehr viele Entscheidungsfreiheiten, so viele, daß den üblichen, selbsternannten "Hundeverstehern" (Hundeschulen oder Medien) die Haare zu Berge stehen würden. Aber trotzdem käme nie eines meiner 4 Pelzgesichter auf die Idee, meine Stellung infrage zu stellen. Hundeführung heißt nicht "Draufhauen" und "Kadavergehorsam", sondern Führung durch Vorbild und Charisma, wie ein Leitwolfspaar seinen Familienverband führt. Deswegen schrieb ich: Wer den Hund verstehen will, muß den Wolf verstehen.

    "Zur Verkotung von Straßen und Grünanlagen empfehle ich das gespräch mit den Zuständigen Ämtern."
    -----------------
    Hält sich hier in Grenzen. Im übrigen hat man dafür sicherheitshalber ein paar Plastiktütchen in der Tasche. Wer die Hinterlassenschaften seines Hundes auf Straßen und Gehwegen nicht wegräumt, wird zurecht zur Kasse gebeten. Meine Hunde verziehen sich für's "Geschäft" in Deckung tief in ein Gebüsch, wenn ich nicht, wie meistens, ohnehin draußen vor der Stadt unterwegs bin, da Park und Hundewiese nur ätzend langweilig resp. gefährlich (Hauptstraße direkt daneben!) sind.

    "Ihre schlaue Vorträge, lieber Wolfsfreund, halten Sie besser beim ortlichen Verein für Deutsche Schäferhunde oder vor Hundebesitzern in den einschlägen Vierteln einer Großstadt. Da kommt das bstimmt gut an."
    -------------
    Denen würde ich einen Vortrag am wenigsten halten, weil sie eh nicht verstehen, was ich zu sagen habe, und jedes Wort nutzlos vergeudet wäre. Wer seinen Hund nur als Ego-Prothese oder Sportgerät sieht, wird sein Wesen ohnehin nie verstehen!

  • @ Realist

    "In den letztem 12 Monaten wurden 2 persönlich Bekannte gebissen, der ein vom eigenen Hund".

    Und haben Sie auch mal nachgeforscht bzw. hinterfragt warum ? Es ist immer wieder schön, wenn man auf Statistiken zurückgreifen kann um damit Stimmung zu machen.

    Kein Hund der Welt beißt einfach so aus Jux und Tollerei ! Ich habe schon kleinere Kinder beobachtet, die einen Hund auf dem Spielplatz am Schwanz gezogen haben, der Hund hat sich umgedreht und nach dem Kind geschnappt aber nicht gebissen. Ja, soll der Hund zum Kind viell. in deutscher Sprache sagen "Könntest du das bitte unterlassen, das tut mir weh !"

    Wie oft werden Hunde misshandelt, geärgert, malträtiert usw. Das die sich dann mal wehren, liegt in der Natur der Sache.
    Ich möchte hier keinesfalls verharmlosen und rede hier ausdrücklich auch nicht von sog. Kampfhundeunfällen !

    Aber lieber Realist, man sollte solche Zahlen schon etwas kritischer sehen.

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