„Das ist ein echter Rückschritt für die Patienten"
Medikamentabgabe in Drogerien bleibt Zankapfel

Der erbitterte Streit um die Abgabe von Medikamenten in Drogerien ist am Mittwoch in Düsseldorf vor Gericht fortgesetzt worden. Die Apothekerkammer Nordrhein hatte zuvor die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eingeschaltet.

HB DÜSSELDORF. Die Karlsruher Drogeriemarktkette dm hatte in acht Filialen im Rheinland Rezepte eingesammelt und apothekenpflichtige Medikamente ausgegeben, die sie von der Europa- Apotheke im niederländischen Venlo bezog. Das Düsseldorfer Gesundheitsamt hatte dies in der vergangenen Woche mit Hinweis auf das Arzneimittelgesetz verboten. Zuvor hatte bereits die Apothekerkammer Nordrhein die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eingeschaltet. Diese hatte eine Unterlassungsklage eingereicht und Eilverfahren gegen dm angestrengt. Apotheker und Wettbewerbsschützer sehen die Arzneimittelsicherheit gefährdet.

„Das ist ein echter Rückschritt für die Patienten. Sie bekommen keine Auskunft etwa über mögliche Wechselwirkungen der Medikamente und müssen auch noch drei Tage auf ihre Mittel warten“, sagte die Präsidentin der Apothekerkammer Nordrhein, Anneliese Menge. Den Drogisten gehe es nur darum, den deutschen Arzneimittel-Markt mit jährlich 43 Milliarden Euro Umsatz zu erschließen. Nach Menges Angaben hatte dm sein bundesweit einmaliges Projekt im Juni in Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach und Viersen gestartet.

Der Rechtsanwalt des Drogisten dm, Wolfgang Kuentzle, verwies darauf, dass die Drogerie lediglich den Versand und die Ausgabe der Medikamente abwickele. Dies sei nicht unsicherer als die Zustellung von Medikamenten per Versand durch Kurierdienste. Im Gesundheitsmodernisierungsgesetz war der Versandhandel von Medikamenten zugelassen worden.

Kuentzle warf den Apothekern vor, lediglich ihr Monopol schützen zu wollen. „Sie stört, das ein schlagkräftiges Unternehmen den Transport und die Annahme von Rezepten in die Hand nimmt“, sagte er. „Wir übernehmen nur den Logistik-Teil des Versandes und sehen keinen Grund, wieso dies nicht zulässig sein sollte“, sagte dm- Geschäftsführerin Petra Schäfer.

Das Unternehmen werde die für 1. September geplante Entscheidung des Düsseldorfer Landgerichts abwarten und prüfe derzeit intensiv, gegen die Verfügung des Düsseldorfer Gesundheitsamtes verwaltungsrechtlich vorzugehen, sagte Schäfer. Anwalt Kuentzle hatte die Zuständigkeit des Düsseldorfer Gerichts bestritten und die Abweisung der Klage beantragt. Die Vorsitzende Richterin der Zivilkammer ließ erkennen, dass sie nach dem Stopp der Abgabe durch das Gesundheitsamt Zweifel an der Eilbedürftigkeit der Klage hat. Das Gericht könnte die Klage zurückstellen, bis die Verwaltungsgerichte entschieden haben.

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