„Das Leben der Anderen“ als Exporterfolg
Oscar beflügelt deutsche Filmwirtschaft

Nicht nur für Florian Henkel von Donnersmarck und seine beiden Hauptdarsteller, Sebastian Koch und Ulrich Mühe, ist der Oscar ein Grund zur Euphorie – schließlich ist die wichtigste Auszeichnung der Filmbranche für Regisseur und Produzenten viel Geld wert. Auch die deutsche Filmwirtschaft hat allen Grund zum Jubeln.

LOS ANGELES/DÜSSELDORF. „Vielleicht bleibe ich nicht auf dem Teppich und wir heben ab“, sagte Regisseur Florian Henkel von Donnersmarck in der Villa Aurora unter strahlend blauen Hollywood-Himmel euphorisch vor der Oscar-Preisverleihung. Nun kann der 33-Jährige abheben. Er hat die weltweit begehrteste Auszeichnung der Filmwirtschaft für seinen Erstlingsfilm „Das Leben der Anderen“ bekommen. Der gebürtige Kölner setzte sich mit seinem Stasi-Drama gegen drei weitere Mitstreiter um den Auslands-Oscar durch.

Die Auszeichnung ist auch ein Sieg für die deutsche Filmwirtschaft. Denn es hat sich gezeigt, dass nicht zuletzt dank großzügiger Förderpraxis junge Regisseure im internationalen Vergleich zu Höchstleistungen fähig sind. Zum anderen können anspruchsvolle Filme wie „Das Leben der Anderen“ nur mit den finanziellen Zuwendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens entstehen. Es ist daher kein Zufall, dass ausgerechnet der Bayerische Rundfunk und der europäische Kulturkanal Arte das Erstlingswerk von Donnersmark mitfinanziert haben. „Der Deutsche Film ist voller Kraft und erlebt in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. Ich bin sehr glücklich und dankbar, ein Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein, die sich immer noch wie ein Traum anfühlt“, sagte Donnersmarck nach der Überreichung des Oscars für den besten nicht-englischsprachigen Film.

Dass ausgerechnet ein politischer Film wie „Das Leben der Anderen“ im Kodak Theatre in Hollywood einen Oscar bekommen hat, ist außergewöhnlich. Denn der politische Inhalt des Films ist eigentlich Gift für den amerikanischen Markt. Donnersmarcks Werk erzählt, wie die Stasi, der Geheimdienst der einstigen DDR, das Privatleben der Bürger zerstört. Sein Film ist eine Attacke auf die Ostalgie, die sich seit Jahren besonders im Osten breit macht. „Das Leben der Anderen“ will die Nostalgie, die mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Untergang der DDR 1989 wächst, zerstören. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Bundestages und ehemaliger Bürgerrechtler, bringt es auf den Punkt. Er begreift den Oscar als eine Würdigung der Stasi-Opfer. Der unangenehme Teil deutscher Geschichte, der „eher versteckt wird“, werde durch Donnersmarcks Film und den Oscar „bei vielen Opfern ein leises Gefühl der Genugtuung erzeugen“, sagte Thierse am Montag im Deutschlandfunk.

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