Daten
Krise erreicht den Einzelhandel

Es ist in diesen Wochen alles andere als leicht zu beurteilen, wie es dem deutschen Einzelhandel geht: Die Konsumforscher der GfK sagen, dass die Deutschen viel und gern einkaufen. Doch die heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Die Krise ist bei den Einzelhändlern angekommen.

HB WIESBADEN/BERLIN. Der deutsche Einzelhandel hat im ersten Halbjahr die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Die Umsätze sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum preisbereinigt (real) um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Nominal verzeichneten die Unternehmen ein Minus von 2,3 Prozent. „Nun ist die Krise auch im Einzelhandel angekommen“, hieß es in einer Analyse der Commerzbank. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) sieht in den Zahlen aber keinen Grund zur größeren Beunruhigung. Im Vergleich zu anderen Branchen stehe der Einzelhandel gar nicht so schlecht da, sagte eine Sprecherin mit Blick auf die schwächelnde Konjunktur.

Im Juni fielen die Umsätze der Einzelhändler im Vergleich zum Vormonat Mai überraschend um real 1,8 Prozent. Dabei wurden bereits Kalender- und Saisoneffekte berücksichtigt. Markterwartungen von einem Anstieg um 0,5 Prozent wurden klar verfehlt. Im Mai war der Umsatz gegenüber dem Vormonat April noch um 0,5 Prozent gestiegen.

Gegenüber dem Juni 2008 lag der preisbereinigte Rückgang bei 1,6 Prozent. Beide Juni-Monate hatten nach Angaben der Statistiker je 25 Verkaufstage. Das vorläufige Ergebnis wurde aus Daten von sieben Bundesländern berechnet, die etwa 76 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel umfassen.

„Wie es jetzt weitergeht, hängt sehr stark von den Arbeitslosenzahlen ab“, sagte die HDE-Sprecherin. Bei einem starken Anstieg im Herbst werde es für die Unternehmen wegen der sinkenden Kaufkraft sicherlich schwieriger.

Rewe-Chef Alain Caparros berichtete, seit April spüre man in den Läden ein gedämpfteres Kaufverhalten. „Die Leute sind nachdenklicher geworden, und zwar durch die Bank und über alle Bevölkerungsschichten hinweg“, sagte Caparros in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ/Montag). Damit widersprach er der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die in ihrer aktuellen Konsumklimastudie eine weiter gute Verbraucherstimmung feststellte.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler stellt sich nun auf einen schwierigen Herbst und Winter ein. Grund zur Panik gebe es nicht. „Aber wir sind vorsichtiger geworden“, sagte der Rewe-Vorstandsvorsitzende der Zeitung. Das kommende Jahr dürfte eine noch größere Herausforderung werden. Denn wenn die heute noch weit verbreitete Kurzarbeit in eine deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit münden sollte, werde das erhebliche Konsequenzen für den Einzelhandel haben. Die Kölner Rewe-Gruppe mit zuletzt fast 50 Mrd. Euro Jahresumsatz und nahezu 15 000 Märkten beschäftigt fast 320 000 Mitarbeiter, davon etwa 211 000 in Deutschland (Stand Ende 2008).

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