Datenskandal
Bahn spähte auch Krankheitsdaten aus

Der Datenskandal bei der Deutschen Bahn erlebt eine neue Dimension: Der Konzern gab zu, in der Konzernsicherheit seien unzulässige Listen mit krankheitsbezogenen Daten geführt und innerhalb des Konzerns weitergegeben worden. Das wäre vermutlich beispiellos in der deutschen Unternehmensgeschichte.

HB BERLIN. Der Vorstand habe daraus "sofortige personelle Konsequenzen gezogen". Er werde sich von den darin verwickelten Mitarbeitern trennen, hieß es weiter.

Genaue Zeiträume oder Zahlen wurden nicht genannt, die Zahl der Mitarbeiter, von denen man sich getrennt habe, liege aber im einstelligen Bereich. Die Listen seien in den Regionalbereichen der DB Sicherheit GmbH geführt worden. Deren Leiter Jens Puls war im Zuge der Datenaffäre wegen mehrerer massenhafter heimlicher Datenabgleiche suspendiert worden.

Bei den unzulässig gesammelten und weitergegebenen Daten handelt es sich nach Angaben aus Bahnkreisen um nicht arbeitsplatzspezifische Daten. Diese dürften nicht erhoben werden. Andere Krankheitsdaten, mit deren Auswertung etwa die Arbeitsplatzsicherheit verbessert werden könnte, dürften dagegen weitergegeben werden, hieß es zur Erläuterung. Es seien "die notwendigen organisatorischen Maßnahmen eingeleitet worden, um eine Wiederholung zu verhindern", versicherte die Bahn.

Bereits im Mai war bekannt geworden, dass der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube bei seinen Aufräumarbeiten in dem Staatskonzern noch mehr zu tun hat als erwartet. Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E–Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Sie fälschte Leserbriefe, Blog-Beiträge, Umfragen – und zahlte für die Täuschungen Millionensummen.

Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E-Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Wie der Konzern am Donnerstag zugab, hat er auch Millionenbeträge ausgegeben, um durch manipulierte Umfragen und bezahlte Leserbriefe die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Allein 2007 wurde nach Angaben der Bahn ein Betrag von knapp 1,3 Mio. Euro für sogenannte "No badge"-Aktivitäten ausgegeben. Dazu zählen unter anderem Beiträge in Internet-Blogs, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen der Urheber beziehungsweise Auftraggeber nicht zu erkennen ist. Ob weitere Aufträge vor und nach 2007 vergeben wurden, ist nicht bekannt. Die Bahn will derartige Manipulationen einstellen.

"Diese Form der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab", sagte Bahn-Chef Grube. "Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen."

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