Dauerkonflikt
Die Streikhansa

Die Lufthansa durchlebt den größten Umbau der Konzerngeschichte – und riskiert deshalb immer wieder den Konflikt mit der Belegschaft. Die Streikschäden steigen seit Jahren. Die Saat hat die Airline selbst gelegt.
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DüsseldorfNichts geht mehr bei der Lufthansa – mal wieder. Rund 700 Flüge musste die größte deutsche Fluggesellschaft bis Donnerstagmittag streichen, die Techniker und das Servicepersonal streiken. Vor der zweiten Verhandlungsrunde will die Gewerkschaft Verdi damit den Druck auf die Lufthansa erhöhen. Mittelstreckenflieger in Frankfurt, München und Düsseldorf bleiben am Boden. 5,2 Prozent mehr und Kündigungsschutz fordert die Gewerkschaft, die Airline bietet eine Nullrunde und längere Arbeitszeiten. Der Konflikt ist weit entfernt von einer Lösung.

Der Ton zwischen Gewerkschaften und der Lufthansa ist rauer geworden. Neun Streiks und Warnstreiks in einem Jahr haben Deutschlands Flughäfen seit März 2012 lahmgelegt. Im Durchschnitt wird alle drei Monate gestreikt. Und schon die bloße Drohung reicht, um die Buchungszahlen der Lufthansa einbrechen zu lassen.

Flugsicherung, Flughafen-Feuerwehr, Flugbegleiter – es gibt kaum eine Berufsgruppe, die im vergangenen Jahr nicht die Arbeit niedergelegt hätte. Nicht immer ist die Lufthansa verantwortlich für die Streiks. Bei dem Personal auf dem Rollfeld und beim Sicherheitspersonal führen andere die Verhandlungen. Doch auch das Lufthansa-Personal, das traditionell selten in den Streik tritt, verliert langsam die Geduld. Daran ist Lufthansa-Chef Christoph Franz nicht unschuldig.

Bis 2015 will er das operative Ergebnis der Airline auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Ein Ziel, dem Franz alles andere unterordnen will. Mit dem Sparprogramm „Score“ hat Franz darum den größten Umbau in der Geschichte der Lufthansa eingeleitet.  Rund 740 Millionen Euro soll das Umbauprogramm allein in diesem Jahr zum Ergebnis beitragen. Weitere 768 Millionen Euro sollen dann im Jahr 2014 dazukommen und 2015 noch mal 744 Millionen Euro. Geld, das in die Modernisierung der Flotte gesteckt werden soll, um den großen arabischen Konkurrenten die Stirn bieten zu können. Aber auch Geld, das letztlich auch bei den Mitarbeitern eingespart werden muss.

Über 2500 Einzelmaßnahmen hat die Airline seit Anfang 2012 ausgearbeitet: Die Zahl der Flugzeugtypen soll reduziert werden. Der Treibstoffverbrauch soll sinken. Und Mitarbeiter müssen gehen. 3.500 Stellen will das Unternehmen abbauen. Um die Details wird gerungen. „2013 wird ein hartes Jahr für Unternehmen und Mitarbeiter“, sagt Franz. So hart, dass der langjährige Tariffrieden bei der Lufthansa längst Geschichte ist.

Kommentare zu " Dauerkonflikt: Die Streikhansa"

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  • Hallo Herr WKaiser,
    ich denke, dass der störende Punkt nicht der Arbeitskampf an für sich ist, aber die Quantität in der einzelne Interessensvertreter in zu häufigen Abständen den Flugbetrieb verhindern. Wenn ich die Nachrichten im Radio / TV verfolge, habe ich den Eindruck, dass es alle zwei bis drei Monate zu Behinderungen kommt und das stört mich als Kunde exterm. Denken Sie hierbei an Familien, welche in den Urlaub fliegen oder Personen die Anschluss- / Interkontinentalflüge bekommen müssen. Für mich als Kunde ist die Frage dann klar. Gibt es Alternativen, die mich zum Ziel bringen?
    Ich würde mir wünschen, dass diese Themen gebündelt verhandelt werden würden, so dass ein längerer Ruhezeitraum einkehrt.

  • Die Lufthansa steht in einem weltweiten Wettbewerb, der nicht nur aus Berlin Air und Ryan Air besteht. Deutsche Befindlichkeiten und überkommene Unternehmensstrukturen haben da keine Chance mehr.

    Man kann natürlich die Lufthansa kaputtstreiken, dann geht sie eben den Weg von Spantax, Iberia, Olympic, Allitalia und wie sie noch alle heißen. Airlines wie Turkish, Etihad, Qatar usw. stehen schon in den Startlöchern, um die Reste aufzufangen.

  • Wer auch immer Schuld hat ... für mich hat die glanzvolle Lufthansa seit Jahren ihre positive Strahlkraft verloren.

    Ich fliege viele Reisen mit Mitbewerbern ... weil mich das hier alles als Kunde nur noch langweilt. Ich kann beide Seiten in Teilen verstehen, kritisiere als Kunde jedoch massiv dass beide Parteien nicht die Intelligenz haben geräuschloser Lösungen zu finden. Die Dauerstreikes des Lufthansa Personals nerven und das Management verhält sich in diesem Punkt talentfrei. Fazit: der lachende Dritte startet und landet im Nahen Osten.

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