Dax-Überprüfung
Tui-Chef Frenzel auf ungebremster Talfahrt

Der rapide Reputationsverlust von Tui-Chef Michael Frenzel geht weiter. Für den einstigen "Manager des Jahres" dürfte sich bei der Überprüfung des Deutschen Aktienindexes (Dax) am heutigen Mittwoch eine lange Reihe von Schlappen fortsetzen. Ihm und dem Konzern droht ein Verlust, der nicht nur für's Prestige gewaltig ist. Und es könnte noch schlimmer kommen.

DÜSSELDORF. Zuletzt machte die Konfrontation der beiden Großaktionäre, dem russischen Stahlmilliardär Alexej Mordaschow und dem norwegischen Reeder John Fredriksen, die beide gut 15 Prozent der Anteile halten, den Tui-Vorstandschef zum Statisten. Auf der Hauptversammlung im Mai dieses Jahres kam es zur Kampfabstimmung über die Zukunft von Michael Frenzel und Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow. Beide überstanden sie zwar knapp, doch dass Frenzel mit nur rund 70 Prozent der Stimmen entlastet wurde, ist ein denkbar schlechtes Ergebnis. Und jetzt gilt es als sicher, dass Tui nach der Dax-Überprüfung am heutigen Mittwoch durch den Düngelmittel-Spezialisten K+S ersetzt wird und damit aus Deutschlands führendem Börsenbarometer verbannt wird.

Fredriksen setzt Frenzel gewaltig zu. Er hält den Banker mit Juristenausbildung als Tui-Chef nach wie vor für "untragbar" und startet immer neue Attacken. So griff er ihn Anfang Juli wegen einer "höchst ungewöhnlichen und potenziell illegalen Klausel" im Arbeitsvertrag an. Dem Norweger zufolge kann Frenzel sich seinen Fünfjahresvertrag auszahlen lassen, wenn Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow zurücktritt oder abgelöst wird. Es gehe bei der "völlig inakzeptablen" Regelung um bis zu 20 Mill. Euro.

Der milliardenschwere Reeder kann ziemlich brutal werden und ist gewohnt, das zu bekommen, was er will. Er war es, der den Putschversuch auf der Hauptversammlung initiiert hatte. Zwar scheiterte diese Aktion, doch in einem anderen Punkt setzte sich Fredriksen durch. Er hat Frenzel, der das Schifffahrtsgeschäft von Hapag-Lloyd zur Absicherung des schwankungsanfälligen Reisegeschäfts stärken und die Tochter deshalb mit Tui verschmelzen wollte, zu einer kompletten Kehrtwende genötigt: der Trennung von der Reederei.

Der Abschied von seiner lange inbrünstig angepriesenen "Zwei-Säulen-Strategie" mit dem Reisegeschäft und der Containerschifffahrt als Stützen schadete Frenzels Glaubwürdigkeit und brachte dem Wirtschaftskapitän den Vorwurf ein, einen Schlingerkurs zu fahren und ein "Wendehals" zu sein.

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