DB Schenker Rail
Rasanter Schleuderkurs auf Schienen

Bei der Bahn-Tochter DB Schenker Rail dreht sich das Personalkarussell. Angesichts tiefroter Zahlen muss Vorstand Alexander Hedderich schmerzhafte Reformen einleiten. Sein erstes Opfer: Deutschland-Chef Edmund Schlummer. Das kommt nicht überall gut an.
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DÜSSELDORF. Manchen galt er bisher als kühl kalkulierender Stratege ohne rechtes Gefühl für Wohl und Wehe des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Auf einer Betriebsversammlung gestern Vormittag in der Zentrale von DB Schenker Rail an der Rheinstraße in Mainz konnte Alexander Hedderich, seit gut zwei Monaten Chef der Bahn-Tochter, bei den Beschäftigten aber punkten.

"Es war der erste Auftritt hier, bei dem er wirklich überzeugen konnte", sagte einer, der dabei war. Die Botschaften, die der promovierte Verkehrswissenschaftler - zuvor oberster Bahn-Konzernstratege in der Zentrale in Berlin - zu verkünden hatte, waren zwar nicht unbedingt positiv. Doch Hedderich sei es gelungen, überzeugend für den anstehenden Konzernumbau zu werben und den Mitarbeitern dabei eine Perspektive zu geben, stellte ein anderer Augen- und Ohrenzeuge fest.

"DB Schenker Rail strafft Führungsstruktur" überschrieb die Bahn-Kommunikation gestern Nachmittag ihre Pressemitteilung. Das Opfer dieser Straffung kommt erst im letzten Absatz vor: Edmund Schlummer, erst seit Juni neu im Management der Güterbahn als Chef des Deutschland- und Mitteleuropa-Geschäfts, wird die Bahn zum Jahresende verlassen. Aus freien Stücken, wie Hedderich betont.

Der als zupackend und geradlinig bekannte Schlummer, zuvor lange Jahre oberster Lokomotivbauer bei Bombardier in Kassel, hatte in den komplizierten Strukturen des international operierenden Staatskonzerns keine Möglichkeiten gesehen, mit seinen Macher-Fähigkeiten die schwer angeschlagene Güterbahn auf Vordermann zu bringen, hieß es in Unternehmenskreisen.

Dabei ist die Lage ernst. DB Schenker Rail steht in diesem Jahr infolge der Wirtschaftskrise vor tiefroten Zahlen in dreistelliger Millionenhöhe - nachdem im Vorjahr erstmals ein dreistelliger operativer Millionengewinn erzielt worden war. Der Konzernstratege Hedderich, lange Zeit rechte Hand des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn und mittlerweile als Duz-Freund enger Vertrauter von Nachfolger Rüdiger Grube, hat aus Berlin den klaren Auftrag gegenzusteuern. Er war an den Rhein geschickt worden, nachdem Vorgänger Klaus Kremper im Frühjahr die Brocken hinwarf - offensichtlich im Dissens mit dem Berliner Bahn-Tower über die richtige Strategie in der Krise.

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