DB-Tochter Arriva
Die Bahn experimentiert im Dreiländereck

In den Niederlanden hat Arriva im Dezember 2016 einen Verkehrsvertrag für die Provinz Limburg gewonnen. Seitdem testet die Deutsche-Bahn-Tochter innovative Konzepte in der dünn besiedelten Regionen.
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ValkenburgBahnhof Valkenburg, Niederlande. An dem ältesten Bahnhof des deutschen Nachbarstaates biegt ein weiß-blauer Kleinbus auf die Haltezone ein. Auf beiden Seiten des Fahrzeugs posiert ein roter, gekrönter Löwe. Es ist das Wappentier der Provinz Limburg, mit der die Deutsche Bahn-Tochter Arriva im Dezember 2016 einen Verkehrsvertrag von über zwei Milliarden Euro abgeschlossen hatte. Der Bus ist ein Projekt, mit dem Arriva die hohen Anforderungen dieses Vertrags erfüllen will.  

In Limburg leben 1,1 Millionen Einwohner, 120.000 davon in der Provinz-Hauptstadt Maastricht. Die Region hat kleinere Ballungsgebiete, aber auch viel plattes Land mit verstreuten Dörfern und sehr dünn besiedelten Flächen. Die ländliche Idylle zwischen Kornfeldern und Windmühlen hat seinen Preis: Bewohner sind nur unzureichend oder gar nicht an das Verkehrsnetz angeschlossen, selbst für kurze Wege zum nächsten Supermarkt müssen sie das Auto nehmen. DB-Tochter Arriva will das ändern und testet verschiedene Modelle einer neuen Mobilität. 

„Die Provinz Limburg hat sehr offene Anforderungen gestellt“, erklärt Manfred Rudhart, CEO von Arriva erfreut. So müsse sich der Gewinner der Limburg-Ausschreibung unter anderem darum kümmern, die 21 „weißen Flecken“ in der Provinz zu beseitigen. Damit sind die meist einwohnerarme Gegenden gemeint, die aus ökonomischen Gründen nicht ans öffentliche Nahverkehrsnetz angeschlossen sind. Eine Herausforderung für Verkehrsgesellschaften, die nach Innovationen fragt. 

Bisher waren die Dorfbewohner den normalen Linienbusverkehr gewöhnt. Stündlich verkehrende 10 oder 12 Meter Busse rentieren sich für Verkehrsunternehmen in den Gegenden allerdings nicht und wurden in der Vergangenheit rigoros gestrichen. Für die Deutsche Bahn-Tochter galt es, die niederländischen Dorfbewohner mit wirtschaftlicheren Lösungen wieder mobil zu machen. Die Idee: Bedarfsorientierte Verkehre in nachfrageschwachen Regionen. Teil der maßgeschneiderten Dorf-Mobilität ist der Bürgerbus. 

In Valkenburg steigt Klaas Jakob Bakker aus „seinem“ Achtsitzer. Der Bürgerbus verbindet vier Dörfer in der Provinz. Das Fahrzeug  gehört dem Unternehmen, Bakker fährt es ehrenamtlich. „Das macht Spaß und ist gut für die Nachbarschaftsverhältnisse“, sagt der Rentner. Einen zusätzlichen Führerschein brauchen die Fahrer nicht. Außerdem sind die Busse nagelneu. „Das erhöht den Anreiz, sich als Freiwilliger zu Verfügung zu stellen“, sagt Manfred Rudhart, CEO DB Arriva. Über zu wenig Initiative der Dorfbewohner kann sich Arriva aber nicht beschweren. Der Bürgerbus ist jetzt schon ein Erfolg. 

„Die Dorfbewohner sind froh, dass mit Arriva noch eine Art Öffentlicher Personenverkehr existiert“, freut sich Anne Hettinga, CEO der Arriva Niederlande. Der Bürgerbus verkehrt wochentags von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends, samstags bringt er die Dorfbewohner zwischen 10 und 17 Uhr zum Beispiel zum Einkaufen in die Stadt. Er fährt nach einem festgelegten Fahrplan mit festen Haltestellen. Bislang gibt es acht Bürgerbuslinien, für 2018 sind vier weitere geplant. In noch weniger nachgefragten „weißen Flecken“ ist aber selbst der kleine Achtsitzer keine ökonomische Lösung.  

Per Anruf können die vom Verkehrsnetz abgeschotteten Landbewohner Limburgs zum Beispiel einen Shuttle-Bus bestellen. Der bringt sie ohne Zwischenhalte vom Ortszentrum zum nächst gelegenen Netz und nach erneutem Anruf auch wieder zurück. Abends und sonntags steht ihnen ein Linientaxi zur Verfügung, das nach Vorbestellung den Linienverkehr übernimmt. „Die größte Innovation ist aber der Avondvlinder“, meint Hettinga. 

Was soviel bedeutet wie Abendfalter, meint bei Arriva einen Bus, der zu einer bestimmten Zeit am Maastrichter Hauptbahnhof abfährt und zu einer bestimmten Zeit wieder dort eintrifft. Welchen Weg er in der Zwischenzeit nimmt, hängt von den individuellen Zielen der Fahrgäste ab. Ein Konzept, dass nicht nur Dorfbewohner mit den Ballungsräumen verbindet, sondern auch für mehr Service in den Abend- und Nachtstunden sorgt. „Dieser Mix aus verschiedenen Konzepten hat definitiv auch außerhalb Limburgs Potenzial“, ist sich Hettinga sicher: „Das wird zweifellos kopiert werden.“ 

Diese Mischung aus verschiedenen Konzepten aus einer Hand gibt es in Deutschland so nicht. Wohl aber seine Einzelteile: Rufbusse und Sammeltaxis verhelfen auch deutschen Dorfbewohnern zu mehr Mobilität. Sie werden öffentlich bezuschusst und sind für die betreibenden Verkehrsgesellschaften selten rentabel. Aber sie beugen der Isolation von Ortschaften vor, lobt der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Diese Lösungen für schwach besiedelte Gebiete gibt es schon lange, die eigentliche Innovation ist, dass der Bus auf Abruf jetzt in Großstädten Einzug halten soll. 

So geschehen in Duisburg. Seit Ende Oktober steht der „MyBus“ der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) den Städtern zur Verfügung. Er erfüllt im Wesentlichen das Ziel, Besucher in Stunden mit schwachem Nahverkehrsangebot zu ihren Zielen zu bringen – auf Abruf, also bedarfsgesteuert. 

Per App können sich Duisburger an den Wochenendnächten und sonntags einen Kleinbus bestellen und sich anschließend zu einem persönlichen Ziel bringen lassen. Die Route hängt von den anderen Fahrgästen ab, ähnlich wie bei dem Limburger Avondvlinder. Momentan verkehren fünf solcher Kleinbusse in einem abgesteckten Gebiet rund um die Innenstadt. Fahrgäste bezahlen den normalen Nahverkehrstarif gleich nach Buchung per App. Die Testphase soll drei Jahre betragen. 

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