DDR-Zwangsarbeiter klagt Ikea an: „Die Bedingungen waren menschenunwürdig“

DDR-Zwangsarbeiter klagt Ikea an
„Die Bedingungen waren menschenunwürdig“

In den 1980er-Jahren stellte Dieter Ott einen Ausreiseantrag. Die DDR sperrte ihn ein. Im Gefängnis musste Ott Türgriffe und Stuhlroller herstellen. Erst jetzt weiß er, für wen: Ikea. Hier erzählt er seine Geschichte.

Ich kam ins Gefängnis, weil ich nicht mehr in meinem Land eingesperrt sein wollte. 1986, da war ich gerade 22 Jahre alt, habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten. Ich war kein Aktivist, kein Systemkritiker: Ich wollte einfach nur reisen. Nach Amerika, nach Kanada, Norwegen und Schweden. Aber ich durfte nicht. Meine Lösung für das Problem machte dann alles nur noch schlimmer.

Ich kündigte meine Arbeitsstelle als Maschinenschlosser. Meinem Chef sagte ich: „Wenn ich dem Staat jetzt nicht mehr nutze, dann kann er mich ja gehen lassen.“ Dann stellte ich einen Ausreiseantrag. Ein paar Tage später bekam ich Post von der Abteilung für innere Angelegenheiten.

Nach drei Monaten Untersuchungshaft in Berlin wurde ich in das Gefängnis Naumburg verlegt. Dass wir arbeiten mussten, war von vornherein klar. In der DDR gab es ein Gesetz, dass alle zur Arbeit verpflichtete. Das galt auch hinter Gefängnismauern.

Der Bus, der uns zur Ikea-Arbeit brachte, war vergittert. Wir fuhren durch ein großes Metalltor, und sobald wir in dem Gebäude waren, gab es nur noch Neonlicht. Kein Fenster, keine Sonne. Wegen meiner Vorkenntnisse kam ich an die Metallstanze. Die Maschinen waren grün, sonst war alles grau.

Die Firma in Naumburg, zwanzig Minuten vom Gefängnis entfernt, hieß Mewa. Wir Häftlinge waren abgeschottet von allen anderen Arbeitern, ich habe nie ein Wort mit den Zivilisten gewechselt. Es gab nur: raus aus dem Bus, arbeiten, rein in den Bus.

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