De-Mail
Postdienstleister setzen auf Online-Brief

Der Online-Brief ist spätestens ab heute nicht mehr ein Zukunftsprojekt, sondern aktuelle Geschäftsidee: Das Bundesinnenministerium gab am Donnerstag den Startschuss für ein entscheidendes Modellprojekt. Die Deutsche Post und ihre Wettbewerber bringen sich in Position.

agr/HB BERLIN/DÜSSELDORF. Das Bundesinnenministerium gab am Donnerstag den Startschuss für ein Modellprojekt, bei dem Bürger im baden-württembergischen Ludwigshafen rechtsverbindlich und vertraulich über das Internet miteinander kommunizieren können. Mit von der Partie bei dem auf sechs Monate angesetzten Test der „De-Mail“ sind Deutsche Telekom und United Internet.

Die Deutsche Post feilt ihrerseits an einem Internet-Projekt, mit dem sie ihr angestammtes Geschäft mit dem Brief ins elektronische Zeitalter hinüber retten will. Der Konzern befürchtet, dass „De-Mail“ einen zu engen regulatorischen Rahmen absteckt, der den Wettbewerb behindern und die Post ins Hintertreffen bringen könnte.

„Wir begrüßen ausdrücklich die politische Zielsetzung, einen Standard für sichere und verbindliche Kommunikation herbeizuführen“, sagte der in Post-Briefsparte für das Online-Projekt zuständige Vorstand Johannes Helbig der Nachrichtenagentur Reuters. „Ein solcher Standard soll aber ein Maximum an Wettbewerb und Innovation ermöglichen“, betonte er. Der Vorschlag für ein Bürgerportalgesetz, der auch die Basis für „De-Mail“ bildet, müsse deshalb weiterentwickelt werden. Die Post treibt offensichtlich die Sorge um, regulatorische Vorschriften könnten auf Angebote von Wettbewerbern zugeschnitten sein.

Für den Bonner Konzern geht es aber um die Zukunft seines traditionellen Kerngeschäfts. Der Konzern bekommt in seiner Briefsparte die Folgen der elektronischen Kommunikation zu spüren: Bürger und Unternehmen kommunizieren immer stärker über E-Mails - und die Sendungsmengen beim Brief gehen zurück. Damit schmilzt auch der Ertrag in der Briefsparte ab, die dem Konzern über Jahre verlässlich Milliarden-Gewinne einbrachte. Konzernchef Frank Appel reagiert darauf auch mit dem Online-Brief. Doch die Wettbewerber stehen ebenfalls in den Startlöchern.

Die Post will mit ihrem System die Vorzüge des Briefs aufs Internet übertragen. In einem vor Ausspähungen geschützten System soll das Briefgeheimnis gewahrt bleiben. Nutzer sollen sich mit dem Personalausweis in Post-Filialen anmelden - so soll gesichert werden, dass Absender und Empfänger von Botschaften klar zu identifizieren sind. Auch rechtsverbindlich soll das neue System sein und etwa auch Einschreiben mit Rückantwort aufs Internet übertragen - was bei der E-Mail nicht der Fall ist. Zudem kann der Konzern auf sein Zustellnetz zugreifen: Ist der Empfänger nicht Online, landet der E-Brief ausgedruckt und im Kuvert im Briefkasten. Aber auch die Wettbewerber setzen auf Internet-Systeme, die so sicher wie die Papierpost seien sollen.

Das Innenministerium kündigte an, mit „De-Mail“ könnten Bürger, Unternehmen und Verwaltung vertraulich im Internet kommunizieren. Der Staat stecke dabei die Rahmenbedingungen ab, die Unternehmen könnten die sichere Plattform dann für ihre Produkte nutzen. Die Telekom unterstütze das Projekt „mit besonderem Engagement“, betonte T-Systems-Manager Jürgen Schulz.

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