Defizitäres Geschäft: Kommunen verkaufen ihre Krankenhäuser

Defizitäres Geschäft
Kommunen verkaufen ihre Krankenhäuser

Viele deutsche Kommunen können ihre örtlichen Krankenhäuser nicht länger finanzieren. Erste kleinere Spitäler stehen bereits zum Verkauf - ein Trend, der sich nach der Bundestagswahl noch verstärken wird. Private Klinikketten rüsten sich bereits für die Übernahmen - und verschärfen damit den Kampf um die Patienten.

FRANKFURT. Nach der Bundestagswahl schlägt die Stunde der Wahrheit: Nach und nach werden immer mehr Kommunen ihren Bürgern eröffnen, dass sie für den Erhalt des defizitären örtlichen Krankenhauses kein Geld mehr haben und sich deswegen auf die Suche nach einem Investor machen. Davon gehen derzeit alle privaten Klinikbetreiber und viele Branchenbeobachter aus.

Schon jetzt stehen ein paar kleinere Krankenhäuser zum Verkauf. In Rottal/Inn etwa läuft ein Bieterverfahren für die drei verlustreichen Kreiskrankenhäuser. Und im Landkreis Helmstedt wird am heutigen Freitag entschieden, ob dem sogenannten Interessenbekundungsverfahren, bei dem sich potenzielle Investoren melden konnten, ein Bieterverfahren für das Kreiskrankenhaus folgen wird.

Doch nicht nur Krankenhäuser in öffentlicher Hand suchen Investoren. "Auch bei freigemeinnützigen Trägern fördert der wirtschaftliche Druck Verkaufsüberlegungen", sagt Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender des privaten Klinikbetreibers Sana. Das Gesamtvolumen der derzeit laufenden Transaktionsverfahren schätzt der Sana-Chef auf maximal 250 Mio. Euro. Das ist nicht viel angesichts des 65 Mrd. Euro schweren Gesamtmarktes und dürfte in den nächsten Monaten deutlich steigen: Allein in dem Jahr nach der Rezession 2002/2003 wechselten 32 Kliniken mit mehr als 10 000 Betten in private Hände. Das Transaktionsvolumen verdoppelte sich fast.

Christa Bähr, Leiterin des Life-Science-Teams bei der DZ Bank, rechnet damit, dass in den nächsten Jahren auch große Betreiber wie Unikliniken und Maximalversorger privatisiert werden. Rund ein Drittel der Unikliniken schreibt Marktschätzungen zufolge rote Zahlen.

Aktuell besteht für rund 15 Prozent der etwa 2 000 Krankenhäuser in Deutschland erhöhte Insolvenzgefahr, schätzt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung. Selbst wenn der laufende Betrieb bei vielen Kliniken noch finanziert werden kann, bleibt für Investitionen oft kein Spielraum mehr. Das deutsche Krankenhausinstitut beziffert den Nachholbedarf an Investitionen auf rund 50 Mrd. Euro. "Der Konzentrations- und Privatisierungsdruck steigt, auch weil der Investitionsbedarf ohne privates Kapital nicht finanzierbar ist", sagt Analyst Hartmut Schmidt von HPS Research. "Da vielen kommunalen und kirchlichen Krankenhäusern die private Finanzierung verschlossen bleiben wird, werden viele Träger ihr Krankenhaus verkaufen müssen.

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