Dennoch keine Rückstellungen
Karstadt-Quelle unterliegt im Streit um Wertheim-Grundstücke

Seit Jahren tobt zwischen dem Handelskonzern Karstadt-Quelle und den Nachfahren der alten Kaufhausdynastie Wertheim ein Streit um wertvolle Grundstücke in Berlin. Und wieder einmal musste das Essener Unternehmen eine Niederlage einstecken – ausgerechnet bei einem Filetstück. Doch Karstadt-Quelle will sich nicht geschlagen geben.

HB DÜSSELDORF. Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) hat der Jewish Claims Conference (JCC) Ansprüche auf das so genannte Lenne-Dreieck am Potsdamer Platz im Herzen Berlins zugesprochen, wie ein Karstadt-Konzernsprecher am Freitag bestätigte. Die JCC vertritt die jüdische Gemeinschaft bei Verhandlungen zur Entschädigung von NS-Opfern und ist Nachfolgeorganisation für jüdisches Vermögen in der DDR.

Das Lenne-Dreieck gehörte einst der Kaufhausdynastie Wertheim, die 1937 vom nationalsozialistischen Regime enteignet worden war. Karstadt-Quelle hatte die 19 000 Quadratmeter große Liegenschaft im Jahr 2000 für 145 Mill. Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft. Nach Auffassung des Amtes sei Karstadt-Quelle damals jedoch nicht der rechtmäßige Eigentümer gewesen, berichtete die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Freitagsausgabe. Heute steht auf dem Gelände das Beisheim-Center mit Bürogebäuden und den Hotels Ritz Carlton und Marriott.

Karstadt-Quelle werde gegen die Entscheidung bis zur letzten Instanz klagen, um seine Ansprüche durchzusetzen, sagte der Konzernsprecher. „Das wird notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof gehen, was dann mindestens fünf Jahre dauern dürfte.“ Karstadt-Quelle wird trotz der Millionenrisiken aber keine Rückstellungen bilden. „Wir sehen weiter keinen Anlass, Rückstellungen zu bilden“, sagte der Sprecher. Die Rechtsposition des Konzerns habe sich in keiner Weise geändert. Zum Wert des Grundstückes – und damit möglicher Entschädigungszahlungen – wollte der Sprecher sich nicht äußern.

Karstadt-Quelle musste einstecken

Im Streit um vier andere ehemalige Wertheim-Grundstücke in Berlin war Karstadt-Quelle im vergangenen Jahr unterlegen und hatte seine Klagen gegen entsprechende Gerichtsbeschlüsse zurückgezogen. In einem Fall hatte das Bundesverwaltungsgericht Ende Oktober in letzter Instanz entschieden, dass ein strittiges Grundstück an der Leipziger Straße der JCC zuzurechnen sei.

„Die Rechtslage im Falle des Lenne-Dreiecks sehen wir völlig anders“, sagte der Karstadt-Quelle-Sprecher. Während sich die der JCC zugesprochenen Flächen alle bis zuletzt auf dem Boden der DDR befunden hätten, fiel das Lenne-Dreieck noch vor der Wende 1988 im Zuge einer Grenzbereinigung an West-Berlin und damit an die Bundesrepublik Deutschland. Die DDR hatte die Fläche schon beim Mauerbau 1961 ausgespart.

Wertheim-Eigentümer teilweise entschädigt

Die ehemaligen Eigentümer – die Brüder Georg, Franz und Wilhelm Wertheim oder deren Nachfahren – waren in den 50er Jahren entschädigt worden; doch war der Wert ihrer im Osten gelegenen Grundstücke damals nicht berücksichtigt worden.

Das Grundstück nahe dem Potsdamer Platz gilt als der mit Abstand wertvollste Teils der umstrittenen Liegenschaften. Die Fläche war 1991 vom Land Berlin kostenlos dem Hertie-Warenhauskonzern überlassen worden. Damals lag der Verkehrswert bei 20 Mill. Euro. Hertie hatte Wertheim Anfang der 1950er Jahre übernommen und war 1994 selbst von Karstadt geschluckt worden. Deshalb war Karstadt-Quelle als Rechtsnachfolger von Wertheim betrachtet worden.

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