Der Alte Fritz wird 300
Das Geschäft mit den Gedenkjahren

„Jeder nach seiner Fasson“, sagte einmal der preußische König Friedrich II. Heute wäre er 300 Jahre alt geworden. Potsdam und Brandenburg feiern – in der Hoffnung auf den großen Besucheransturm. Doch kommt der wirklich?
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Der preußische König Friedrich II. feiert seinen 300. Geburtstag (1712-1786), ebenso der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Künstler Gustav Klimt würde erst 150 Jahre alt (1862-1918).

Für die Geburts- und Wirkungsstädte solch historisch bekannter Personen sind Jubiläen rund um Geburts- und Todestage ein lukratives Geschäft, denn Gedenkjahre können zum echten Kassenschlager für Land und Kommune werden.

Beispiel Wien: 2006 feierte die österreichische Hauptstadt den 150. Geburtstag des Komponisten Mozart. 3000 Veranstaltungen sorgten für knapp sieben Prozent mehr Übernachtungsgäste. In den ersten drei Quartalen kamen bereits 200.000 mehr Besucher als üblicherweise in die österreichische Hauptstadt, heißt es im Bericht des Wiener Stadtrates für Kultur. In Zahlen bedeutet das: Das Budget von 30 Millionen Euro brachten die Mozart-Fans mit 48 Millionen Euro Umsatz spielend wieder ein. Sind Gedenkjahre also ein Mittel für klamme Kassen?

Konstantin-Jahr in Trier ein Erfolg

„Ein Jubiläum kann einen wirtschaftlichen Erfolg bringen“, antwortet Andreas Kagermeier, Professor für Freizeit- und Tourismusgeographie an der Universität Trier und betont das „kann“. In einem Team untersuchte er 2007 die wirtschaftlichen Auswirkungen der Kaiser Konstantin-Ausstellung in Trier, die die drei teilnehmenden Museen 6,6 Millionen Euro gekostet hatte.

Die Bilanz ist positiv: Den Kosten stand eine Wertschöpfung von mehr als 28 Millionen Euro gegenüber. Jeder investierte Euro war also mehr als vervierfacht worden, ein Erfolg für die Stadt Trier. Solche Statistiken sind in Deutschland allerdings eher die Ausnahme als die Regel.

Tourismus-Experte Kagermeier weiß: „Besonders viel Erfahrung mit Jubiläen haben die Österreicher und Schweizer“. Dort habe die Tourismusbranche allerdings auch einen größeren Anteil am Inlandseinkommen und dadurch einen anderen Stellenwert.

Besonders Wien profitiert von den Gedenkjahren rund um Mozart, Haydn, Mahler & Co.  Eine Statistik zum Haydn-Jahr 2009 zeigt: Das Wiener Haydn-Haus hatte jährlich nur knapp über 3000 Besucher. 2009 waren es allein zwischen Januar und Oktober 25.000. Die Kammeroper war mit der Haydn-Oper „Le Pescatrici“ praktisch ausgelastet.

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