Der Billigflieger wagt sich in Schönefeld an die Basis des großen Konkurrenten Easyjet
Germanwings fliegt auf Berlin

Die Billigfluggesellschaft Germanwings will im Sommer 2005 ihre dritte Basis nach Köln/Bonn und Stuttgart am Berliner Flughafen Schönefeld einrichten. Entsprechende Pläne bestätigte Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein im Gespräch mit dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Um die Entscheidung wurde monatelang gerungen, weil sich in Schönefeld bereits der Rivale Easyjet breit gemacht hat. Die Briten dominieren den europäischen Billigflugmarkt gemeinsam mit dem irischen Preisbrecher Ryanair.

Germanwings wagt sich dennoch in die Hauptstadt, sofern der Aufsichtsrat der Muttergesellschaft Eurowings den Schritt absegnet. „Nachdem Volare, Air Polonia und V-Bird in Berlin ausgestiegen sind, bietet sich für uns dort ein Fenster“, sagte Klein. Die drei Billigfluggesellschaften aus Italien, Polen und den Niederlanden hatten Ende 2004 kurz nacheinander Konkurs anmelden und ihren Flugbetrieb einstellen müssen.

Dass der Aufsichtsrat des Lufthansa-Ablegers der Entscheidung zustimmt, gilt in Branchenkreisen als sicher. Weil nach Air Berlin im Vorjahr auch Easyjet kräftig in der Hauptstadt expandierte, plädiere die Lufthansa nun für ein stärkeres Engagement in Berlin, hieß es. Der Konzern ist zu 49 Prozent an Eurowings beteiligt und stellt zwei Aufsichtsratsposten, darunter Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber. Über eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind Germanwings-Piloten inzwischen auch in den Konzerntarifvertrag der Lufthansa eingebunden. Branchenexperten werten diese Einigung mit VC als „Freifahrtschein“ für die weitere Expansion des Billigfliegers.

Die 2003 gegründete Airline spürt zwar den harten Preiswettbewerb, der im Durchschnitt kaum mehr als 70 Euro Umsatz je Passagier und Flugstrecke bringt. Dennoch legte das Unternehmen für 2004 erstmals schwarze Zahlen bei 245 Mill. Euro Umsatz vor. Germanwings will im Sommer 2005 von derzeit 15 Flugzeugen auf 17 bis 20 Jets wachsen und damit eine kritische Unternehmensgröße allmählich überschreiten: „In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob wir ein stabiler Player sind, der auf Dauer nicht mehr zu verdrängen ist“, sagte Klein. Einer direkten Konfrontation mit Easyjet in Schönefeld will der deutsche Billigflieger allerdings aus dem Weg gehen. „Unsere Strategie ist auf Koexistenz ausgelegt“, betonte Klein. Das Unternehmen wolle vor allem Strecken anbieten, die derzeit noch nicht im Programm von Easyjet stehen. Wie es in Branchenkreisen heißt, sollen zunächst verstärkt innerdeutsche Strecken bedient werden – etwa nach München, Stuttgart, Köln oder Düsseldorf.

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