Der Discounter umgarnt die Eidgenossen. In der Heimat stößt der Konzern an seine Grenzen.
Aldi muss raus

Die Bürger von Weinfelden im Kanton Thurgau haben in diesen Tagen allen Grund zum Feiern. Der einheimische Spenglermeister Valentin Germann hat die Goldmedaille bei den eidgenössischen Berufsmeisterschaften gewonnen, weshalb die Gemeinde einen kleinen Umtrunk und ein Gratulationsspruchband quer über die Hauptstraße spendiert.

HB WEINFELDEN. Keine 300 Meter entfernt begeht die Raiffeisenbank „Regio Weinfelden“ ihren 50. Geburtstag mit der Aufforderung „Feiert alle mit – jetzt besonders günstige Zinsen“. Der Liederkranz lädt zum Jubiläumskonzert in die Stadthalle ein. Und dann wäre da noch Aldi. Der deutsche Discount-Riese feiert seine Premiere in der Schweiz – hier an den südlichen Hängen des Ottobergs, eine halbe Stunde von Konstanz, mit atemberaubendem Blick auf die schon schneebedeckten Alpen.

Es ist Punkt halb neun, die ersten Sonnenstrahlen des Tages lassen die umliegenden Weinberge golden leuchten, als eine Frau im blauen Kittel auf einen Knopf drückt und die automatische Schiebetür zur Seite gleitet. 40 Kunden haben genau auf diesen Moment gewartet – einige von ihnen seit mehr als einer halben Stunde. Umgeben vom Schuhhändler Dosenbach und der Künzle Metallbau AG steht hier im Industriegebiet West eine der ersten Aldi-Filialen auf Schweizer Boden, auf dass der gemeine Eidgenosse jetzt auch noch ein Discount-Fest feiert.

Zur gestrigen Eröffnung schwebt ein Werbezeppelin über dem Parkplatz, und das Geschäft ist mit Luftballons dekoriert. Die Kundschaft interessiert sich indes mehr für die in den Schaufenstern aushängenden Angebote: „Ravioli mit Fleischfüllung, 400 Gramm“ für 2,59 Franken, „diverse Antipasti-Spezialitäten je 250 Gramm (Abtropfgewicht 150 Gramm)“ für 2,99 Franken oder das „Multimedia Notebook mit Intel Pentium M 740 Prozessor“ für 1 999 Franken, umgerechnet 1 290 Euro.

Noch bevor sie den Laden betreten haben, geben die Ersten nach einem flüchtigen Blick durch die Scheiben ein Zwischenurteil ab: „Sehr übersichtlich, breite Gänge und schön hell – da können unsere Händler viel von lernen“, sagt eine ältere Frau mit Mütze, Stock und missmutigem Ehemann im Schlepp. Schon eine halbe Stunde nach der Eröffnung, um neun Uhr, ist der Parkplatz voll, und die Entscheidung der Gemeinde, zwei in orangefarbenen Overalls gekleidete Verkehrskadetten auf der Zufahrtsstraße zur neuen Filiale einzusetzen, stellt sich als sinnvoll heraus.

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