Der einsame Platz an der Kasse
Pekings Mega-Mall hat einen Makel

Es kommt keiner - die „Goldquelle“ glänzt mit gähnender Leere. Chinas größter nach westlichem Vorbild errichteter Konsumtempel klotzt in Design und Farbe - doch die Kundschaft bleibt aus. Eine Handelsblatt-Reportage.

PEKING. Das Monstrum hat die klotzige Form eines Flugzeug-Hangars und die farbliche Gestaltung eines Hundertwasser-Hauses. Chinas neustes Einkaufszentrum im Norden der Hauptstadt, am dicht befahrenen Dritten Ring, ist ein blau, gelb und orangefarben getäfelter Koloss, Hunderte von Metern lang und so hoch wie ein Riesenrad.

Dutzende von Baukränen umzingeln die Jin Yuan, die „Goldquelle“ genannte Shopping-Burg nach dem amerikanischen Mall-Prinzip. Mit 600 000 qm ist sie um die Hälfte größer als die „Mall of America“ in Minnesota, die sich bisher rühmte, das größte Einkaufszentrum der Welt zu sein.

Im Inneren der Goldquelle herrscht atemberaubende Glitzerstimmung: ein gigantisches Atrium, 230 Rolltreppen, 1 000 Geschäfte. Das Angebot reicht von Motorrad-Jacken aus Ziegenleder über italienische Designer-Badewannen, handgefertigte Violinen und Kuckucks-Uhren bis zu Jaguare und Windeln. Zwei Tage dauert es, diesen Tempel aus Stahl und Glas zu durchwandern.

Die Art-deco-Mall ist der jüngste Schrein, den sich Chinas Kommunisten geleistet haben. Sie untermauert, wohin die KP das Land mit seinen 1,3 Milliarden Bürgern steuern will: in eine „Xiaokang“-Gesellschaft, ein brummendes Schwellenland mit bescheidenem Wohlstand.

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