Der ICE wird 25
Schwuler Fußballer bei der Deutschen Bahn

Schwule Fußballer sind noch immer ein Tabu. Für einen Werbe-Spot greift die Deutsche Bahn die Thematik auf. Genug Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken dürfte dem Konzern damit sicher sein.

BerlinEin neuer Werbe-Spot der Deutschen Bahn kratzt an einem Tabu: Schwule im Fußball. Gut eine Woche vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zeigt der Clip ein schwules Paar. Der eine fiebert zu Hause vor dem Fernseher mit und jubelt im Stadion mit Fanschal auf der Tribüne. Der andere ist im Zweikampf auf dem Platz zu sehen und beim Torschuss. Der Spieler fährt am Schluss mit dem Mannschaftsbus, sein Partner im ICE – beide treffen sich am Bahnsteig. Es folgt eine intensive Umarmung. Am Mittwoch hatte „Bild.de“ bereits über den 1 Minute und 40 Sekunden langen Spot berichtet.

Er soll nach Angaben der Deutschen Bahn ab sofort auf YouTube und ab Donnerstag auf verschiedenen sozialen Medien zu sehen sein. An dessen Ende ist die doppeldeutige Botschaft zu lesen: „Verbindet mehr als A und B“ – und dann: „25 Jahre ICE“. Anlass des ungewöhnlichen Werbeclips: Am 2. Juni 1991 begann für Bahnreisende in Deutschland das Hochgeschwindigkeitszeitalter, als der erste Intercity-Express fahrplanmäßig startete. „Wir wollen zum 25. Geburtstag des ICE zeigen, dass er mehr verbindet als Bahnhöfe und Städte“, so Berthold Huber, Vorstand Verkehr und Transport bei der Deutschen Bahn. „Der Spot setzt ein Zeichen für Vielfalt und Weltoffenheit.“

Der Werbeclip soll an diesem Donnerstag in sozialen Medien wie Facebook und Twitter veröffentlicht werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin, aber nicht im Fernsehen. Wegen des großen Interesses an dem Clip habe man entschieden, ihn bereits ab Mittwochnachmittag auf YouTube zu zeigen. Man rechne damit, dass der Beitrag viral werde, sich also sehr schnell in großem Umfang in den sozialen Medien verbreite.

Die Idee zu dem Spot mit zwei Jungschauspielern aus England in den Hauptrollen hatte die Werbeagentur BBDO. Bei der Umsetzung gehen die Werber eher vorsichtig vor: Die beiden schwulen Partner umarmen sich zwar – Küsse gibt es aber nicht.

Homosexualität im Fußball ist nach wie vor ein Tabuthema. Anfang 2014 bekam Thomas Hitzlsperger - ehemaliger Fußball-Nationalspieler und WM-Teilnehmer von 2006 - viel Aufmerksamkeit und auch öffentliche Anerkennung für sein Coming-Out. In weiten Teilen der Gesellschaft werde schon recht offen mit dem Thema Homosexualität umgegangen, sagte er damals. „Der Profisport hat da eindeutig Nachholbedarf.“ Daran hat sich wenig geändert. Für Werber bieten sich dadurch Chancen: Tabubrüche verschaffen Aufmerksamkeit.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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