Der Schweizer Molkereikonzern zeigt der deutschen Konkurrenz, wie sich in der Krise Geld verdienen lässt
Emmi macht mit Milch fette Margen

Der führende Schweizer Molkereikonzern Emmi AG will nach seinem Erfolg mit Wellness-Produkten in Deutschland in weitere europäische Länder expandieren. „Wir wollen uns klar als Premiummarke im europäischen Lebensmittelmarkt positionieren und haben deshalb unsere Fühler auch nach Frankreich und Großbritannien ausgestreckt“, sagte Emmi-Chef Walter Huber auf einem Branchen-Kongress der Fachzeitschrift „Lebensmittel Praxis“ in Königswinter bei Bonn.

HB KÖNIGSWINTER. Allein der Umsatz mit einem neu eingeführten Aloe-Vera-Joghurt betrug im vergangenen Jahr in Deutschland bereits 15 Mill. Euro. Insgesamt belief sich der Umsatz der Emmi AG mit innovativen Frischeprodukten 2003 in Deutschland auf 30 Mill. Euro. Im Auslandsgeschäft konzentriert sich Emmi voll auf ein hochpreisiges Premiumsortiment, darunter befindet sich beispielsweise auch der cholesterinsenkende Joghurtdrink „Benecol“. Auch die kaufkräftige Oberschicht in den EU-Beitrittsländern ist jetzt in den Fokus der Schweizer gerückt. „In Polen sind wir vor allem an strategischen Allianzen mit dortigen Unternehmen interessiert. Sie kennen den polnischen Markt besser als wir“, sagte Emmi-Chef Huber dem Handelsblatt.

Mit den drei Sparten Frische-, Molkereiprodukte und Käse erwirtschaftete der Schweizer Molkereikonzern im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 1,879 Mrd. Schweizer Franken (1,2 Mrd. Euro). Emmi ist in der jüngsten Vergangenheit rasant gewachsen: Innerhalb von nur sechs Jahren verdreifachten die Schweizer ihre jährlichen Erlöse vor allem durch Akquisitionen im Inland. Trotz hoher Übernahmekosten und unverminderter Investitionstätigkeit verdoppelte sich der Gewinn des Konzerns 2003 gegenüber dem Vorjahr auf 42,7 Mill. Franken (28 Mill. Euro). „Emmi hat gezeigt, dass man mit Milch Geld verdienen kann“, sagte Volker Dölle, Marktexperte und Inhaber der gleichnamigen Unternehmensberatung. Emmi setzt konsequent auf die Entwicklung von innovativen Produkten mit einem großen Absatzpotenzial und attraktiven Margen.

Ganz anders sieht die Situation derzeit in Deutschland aus: Vor allem die Discounter Aldi und Lidl haben die hiesigen Molkereien und Landwirte durch ein Preisdiktat für das Massengeschäft stark unter Druck gesetzt. Bei einem Milchauszahlungspreis auf dem historischen Tiefstand von 27 Cent pro Liter sehen sich viele Landwirte bereits kurz vor der Betriebsaufgabe. Die starke Marktmacht der Discounter, die Frischmilch für 55 Cent pro Liter in ihren Filialen verschleudern, beschleunigt auch die Konsolidierung auf dem Molkereisektor. Von den derzeit noch etwa 115 meist mittelständischen deutschen Molkereien würden binnen kurzer Zeit nur noch 30 Betriebe übrig bleiben, prognostiziert Jan Thyen, Marktbeobachter bei der WestLB.

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